Autismus: Asozialen Mäusen fehlt ein Protein

6. Mai 2015, 10:45
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Schweizer Forscher sind den Ursachen von Autismus auf der Spur - Parvalbumin könnte eine Schlüsselrolle spielen

Schweizer Forscher haben eine Sorte Mäuse kreiert, die auf eine mögliche Ursache von Autismus hindeuten könnte. Der Mangel eines Proteins stört das Sozialverhalten, die Kommunikation und die Verhaltensflexibilität dieser Mäuse.

Das Protein heißt Parvalbumin und wird in bestimmten Hirnzellen produziert. Parvalbumin-produzierende Neuronen haben Forscher bereits mit Störungen wie Demenz und auch Autismus in Verbindung gebracht. Das Protein selbst stand dabei aber nie als Auslöser zur Diskussion, wie die Universität Freiburg in einer Mitteilung schreibt.

Kalziumhaushalt beeinträchtigt

Dabei deutet laut den Forschern einiges darauf hin, dass es bei Autismus einen übergeordneten Mechanismus geben könnte: Es ist zwar bekannt, dass genetische Faktoren beteiligt sind; über hundert mutierte Gene sind bei Autismus-Betroffenen bekannt. Jede einzelne Mutation kommt aber nur bei einem winzigen Teil der Patienten vor.

Beat Schwaller von der Universität Freiburg und seine Kollegen zeigen nun, dass das Fehlen von Parvalbumin bei Mäusen tatsächlich zu einem Autismus-ähnlichen Verhalten führt. Dies stellten sie mit sogenannten Knockout-Mäusen fest, denen das Gen für die Parvalbumin-Herstellung fehlt. Das Fehlen des Proteins, das Kalzium bindet, beeinträchtigt die Signalübermittlung in Hirnzellen.

Die Knockout-Mäuse zeigten stark verminderte soziale Interaktionen und ein Defizit in der Kommunikation, berichten die Forscher nun im britischen Fachjournal Translational Psychiatry. Sie hätten auch große Mühe, ein erlerntes Verhalten aufzugeben oder umzulernen, selbst wenn es nicht mehr Erfolg versprechend sei.

Langfristige Veränderung im Gehirn

Auch die Gehirnstruktur der Mäuse sei ähnlich verändert, wie es bereits bei Autismus-Patienten beobachtet wurde - zum Beispiel sei das Volumen des Großhirns während der Pubertät zeitweise vergrößert.

Für die Freiburger Forscher könnte dies darauf hindeuten, dass tatsächlich das Fehlen oder ein Mangel an Parvalbumin - und nicht wie früher angenommen das Fehlen der betreffenden Neuronen - zur Ausprägung autistischen Verhaltens führt. Dies könnte die gemeinsame zugrunde liegende Ursache für Autismus bilden, mutmaßen die Forscher. (APA, 6.5.2015)

  • Maus, lieber allein: Möglicherweise fehlt asozialen Mäusen ein Protein, das das Sozialverhalten beeinflusst.
    epa

    Maus, lieber allein: Möglicherweise fehlt asozialen Mäusen ein Protein, das das Sozialverhalten beeinflusst.

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