Athen bittet 500 reichste Familien zur Kasse

6. Mai 2015, 06:10
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Griechenland wirbt mit neuen Ideen um die Auszahlung der nächsten Hilfstranche und besorgt sich kurzfristig Frischgeld am Kapitalmarkt

Athen - Die griechische Regierung schlägt einem Medienbericht zufolge der Eurogruppe weitere Maßnahmen vor, mit denen sie die Auszahlung der letzten Tranche des laufenden Hilfsprogramms erreichen will. Unter anderem sei die Einführung einer Sondersteuer für die 500 reichsten Familien Griechenlands geplant, berichtete die deutsche "Bild"-Zeitung vom Mittwoch.

Sie beruft sich auf eine neue Reformliste aus dem griechischen Finanzministerium, die bereits in Brüssel eingereicht wurde. Zugleich solle die Zusatzsteuer angehoben werden, die Beschäftigte mit mehr als 30.000 Euro Jahreseinkommen bezahlen müssen. Ferner seien eine Anhebung der Luxussteuer etwa auf teure Autos und die Einführung einer Steuer auf Luxusreisen auf griechische Inseln geplant.

Um mehr Steuerehrlichkeit zu erreichen, sollen der Zeitung zufolge sämtliche Zahlungen von Beträgen ab 70 Euro nur noch mit EC-Karte möglich und somit nachweisbar sein. Zudem will die Regierung die drei Mehrwertsteuersätze zu einem zusammenführen. Sie ringt seit Monaten mit den Europartnern und dem Internationalen Währungsfonds um die Auflagen für dringend benötigte Finanzhilfen.

Geld vom Kapitalmarkt

Griechenland hat sich indes kurzfristig frisches Geld am Kapitalmarkt besorgt. Wie das Staatsradio am Mittwoch unter Berufung auf die Schuldenagentur PDMA berichtete, konnten insgesamt 875 Mio. Euro für 26 Wochen in Form kurzlaufender Staatspapiere aufgenommen werden.

Die Rendite der versteigerten Papiere lag - wie bei einer vergleichbaren Auktion im Vormonat - bei 2,97 Prozent. Kurzfristig ist es Athen noch möglich, Geld aufzunehmen, längerfristig ist der Gang an den Kapitalmarkt verwehrt, weil private Gläubiger erst recht nach dem Schuldenschnitt von 2012 Abstand halten.

Es floss am Mittwoch zwar weniger in die Kasse, als das Land in zwei Tagen benötigt. Denn am 8. Mai muss Griechenland 1,4 Mrd. Euro Schulden refinanzieren. In der griechischen Finanzpresse wird aber damit gerechnet, dass das restliche Geld an diesem Donnerstag in die Staatskasse fließt. Denn dann dürfte Athen wie üblich im Rahmen eines gesonderten Verfahrens zusätzliche Wertpapiere versteigern. ((APA, Reuters, 6.5.2015)

  • Zahlungen von Beträgen ab 70 Euro sollen nur noch mit EC-Karte möglich sein - das soll die Steuerehrlichkeit erhöhen.
    foto: reuters/alkis konstantinidis

    Zahlungen von Beträgen ab 70 Euro sollen nur noch mit EC-Karte möglich sein - das soll die Steuerehrlichkeit erhöhen.

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