Weitere Republikaner ziehen in den Kampf

5. Mai 2015, 17:10
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Starchirurg, Silicon-Valley-Managerin und Baptistenprediger wollen ins Weiße Haus

Ben Carsons Lebensgeschichte klingt, als wäre sie Stoff für Hollywood. Und das Beste daran: Der erste seiner zwei Memoirenbände, Begnadete Hände, ist tatsächlich schon verfilmt worden. Aufgewachsen in den Slums von Detroit, schaffte er den Sprung über scheinbar unüberwindbare Hindernisse an die Uni: erst Yale, dann Michigan.

Seine alleinerziehende Mutter Sonya, nach drei Klassen von der Schule abgegangen, schlug sich durch, indem sie in den Wohnungen anderer Leute die Fußböden schrubbte. Ihr Sohn Ben lieferte sein medizinisches Meisterstück ab, als er mit 28 ein Chirurgenteam leitete, das erstmals an den Köpfen zusammengewachsene Siamesische Zwillinge trennte.

Raus aus dem Sumpf

Die Geschichte scheint zu beweisen, was Republikaner schon immer predigen: Man muss sich nur anstrengen, dann wird es einem schon gelingen, sich an den eigenen Schuhbändern aus dem Sumpf zu ziehen.

Carson, der nun ausgerechnet in der krisengebeutelten "Motor City" Detroit seine Kandidatur fürs Weiße Haus erklärte, ist aber auch eine Art Feigenblatt für die Grand Old Party. Eine Partei, die als Bastion gealterter weißer Männer gilt, kann einen afroamerikanischen Bewerber nur zu gut gebrauchen. Allein schon, um den Vorwurf abzuwehren, ihre jahrelangen Attacken gegen Barack Obama hätten rassistische Untertöne.

In der Tat: Kaum einer greift den Präsidenten derart scharf an wie Carson, der bisweilen so klingt wie die schrillsten Tea-Party-Rebellen. Obama, behauptete er einmal, trage sich mit dem Gedanken, das Kriegsrecht auszurufen und die Wahl 2016 zu annullieren. Im Übrigen sei Obamas Gesundheitsreform das Schlimmste, was den USA seit der Sklaverei widerfahren sei: "Sie unterwirft uns alle dem Diktat des Staates."

Dass der 63-Jährige nicht ins Oval Office einzieht, dürfte feststehen. Ebenso, dass Carly Fiorina, seit Montag die erste Frau im konservativen Kandidatenfeld, allenfalls Außenseiterchancen hat. Die Managerin kopiert die Masche von Mitt Romney, wonach man das Wirtschaftsleben verstehen müsse, um effiziente Regierungsarbeit leisten zu können - anders als die Karrierepolitiker in Washington, zu deren Symbolfigur sie die Demokratin Hillary Clinton zählt.

Von 1999 bis 2005 leitete Fiorina den Technologiekonzern Hewlett-Packard (HP), bevor sie nach heftigen Machtkämpfen in den Vorstandsetagen aufgeben musste. 2010 wollte sie für Kalifornien in den US-Senat einziehen, zog aber gegen die Demokratin Barbara Boxer den Kürzeren. Die hatte ihre republikanische Rivalin mit Erfolg als Heuchlerin skizziert, die amerikanischen Patriotismus predige, in Wahrheit aber massig Arbeitsplätze nach Schanghai exportiere, stolz darauf, ihren Produkten das Etikett "Made in China" aufkleben zu können. Diesmal reiben die Demokraten Fiorina den Börsenkurs von HP unter die Nase: eingebrochen, nachdem die Konzernchefin den Konkurrenten Compaq aufgekauft hatte. "Stellen Sie sich vor: Wenn sie schon ein Unternehmen so führt, wie würde sie ein ganzes Land führen?"

Bevor Carson und Fiorina ihre Ambitionen anmeldeten, hatten bereits drei Senatoren ihren Hut in den Ring geworfen, Ted Cruz, Rand Paul und Marco Rubio. Die momentanen Favoriten Jeb Bush und Scott Walker - Ex-Gouverneur von Florida der eine, Gouverneur von Wisconsin der andere - sind offiziell noch nicht am Start, feilen aber bereits intensiv an ihren Kampagnen. Was ins Auge sticht, ist der Kontrast zu den Demokraten: Dort ging neben Hillary Clinton bisher nur Bernie Sanders ins Rennen - ein Sozialist aus Vermont, während die Republikaner am Ende fast auf ein Dutzend Bewerber kommen könnten.

Stimme der Evangelikalen

Die Nummer sechs ist seit Dienstag Mike Huckabee. Der Baptistenpfarrer, einst Gouverneur des ländlichen Bundesstaats Arkansas, dürfte versuchen, sich als Stimme der evangelikalen Christen zu profilieren. 2008 sorgte er für einen Paukenschlag, als er zum Auftakt des republikanischen Vorwahlmarathons in Iowa gewann, völlig überraschend. Zuletzt war er Talkshow-Gastgeber beim Fernsehsender Fox, stramm konservativ, doch zugleich darum bemüht, stets wie der joviale Nachbar zu wirken, mit dem man gern ein Bier trinkt. Einen Clinton-Bezug gibt es bei Huckabee auch: Wie Bill stammt er aus Hope, einer Kleinstadt in Arkansas. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 6.5.2015)

  • Warfen ihren Hut in den republikanischen Ring: Ben Carson,...
    foto: ap photo/paul sancya

    Warfen ihren Hut in den republikanischen Ring: Ben Carson,...

  • ...Carly Fiorina...
    foto: reuters/stephanie keith

    ...Carly Fiorina...

  • ...und Mike Huckabee.
    foto: ap photo/jim cole, file)

    ...und Mike Huckabee.

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