Felsenbirne: Prima Ballerina!

Kolumne1. Juni 2015, 15:53
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Nicht alle Sorten der Felsenbirne schmecken gleich gut - Relativ pflegeleicht und schön anzusehen sind die kleinen Bäume oder Sträucher aber immer, weiß Gregor Fauma

Ein Wort, zwei Länder, zwei Bedeutungen. Wenn der Gast in einem Kaffeehaus in Österreich "A Melange" bestellt, bekommt er einen kleinen Mokka mit Milchschaum in der großen Tasse. Wenn ein Franzose in der Provence "Amelanche" fordert, so wünscht er sich hingegen die Früchte der dort heimischen Amelanchier ovalis. Das Wort Amelanche ist kelto-gallischen Ursprungs und bedeutet "kleiner Apfel". So sehen sie auch aus, die Früchte der Felsenbirne - wie kleine Äpfel.

Wie sehr doch Sprache zur allgemeinen Verwirrung beitragen kann. Felsenbirnen sind innerhalb der botanischen Nomenklatur in der Unterklasse der Schönheiten eingereiht. Ihr zartes Weiß während der Blütezeit, ihr sattes Grün in der Vegetationsphase und ihr kupferrotes, feuriges Leuchten in den grauen Tagen des Herbstes machen sie zu begehrten Solitärpflanzen.

So richtig zu Geltung kommen die Pflanzen nur, wenn sie alleine und frei stehen dürfen. Das wissen die Gartlerinnen und Gärtner und stellen ihren Felsenbirnen immer eine große, leere Wiese zur Verfügung.

Kupfer-Gelee

Es gibt viele Sorten, zu den beliebtesten zählt die Kupfer-Felsenbirne Amelanchier lamarckii. Ihre Früchte sind ungiftig und schmecken offensichtlich jenen, die daraus dann auch Marmelade oder Gelee machen.

Bei der Kupfer-Felsenbirne stellt sich die Färbung am Anfang des Wachstums während der Blüte ein, also im Frühjahr. Die Unterseite der Laubblätter ist dicht und silbrig behaart, die Blattoberseite trumpft mit einem leuchtenden Kupfer auf. In der Folge färben sich die Blätter grün, um dann im Herbst leuchtend gelb bis orangerot das nahende Ende der Vegetationszeit anzukündigen.

Zugezogen

Die Früchte, besonders bei Vogerln beliebt, sind gegen Mitte Juli reif. Ursprünglich aus Nordostamerika stammend, lebt die Kupfer-Felsenbirne in Westeuropa als Neophyt, war dort zuvor also nicht heimisch; in Mitteleuropa gilt sie als Agriophyt und kam demnach erst durch menschlichen Einfluss hierher.

Aber warum macht sie das? Schlicht, weil sie es kann: Sie verträgt Frost, Dürre und Staunässe - ein Traum für jede Gartlerin. Mehr zu pflanzlichen Aliens demnächst an dieser Stelle.

Wer Felsenbirnen mit größeren Äpfelchen wünscht, die noch dazu geschmacklich an Heidelbeeren erinnern, greift zur Zuchtform Amelanchier lamarckii "Ballerina". Wer dagegen eine Ahnung von Rosa auf weißen Blüten schätzt, setzt sich eine Amelanchier x grandiflora "Rubescens" in das Weit seiner Wiese.

Und wer übrigens keine weite Wiese sein Eigen nennt, baut einfach das Haus hinter die gepflanzte Felsenbirne. Vor dunkel angestrichenen Wänden kommt das Weiß oder Zartrosa ganz besonders gut zur Geltung. (Gregor Fauma, 8.5.2015)

Tipps zur Felsenbirne:
Wer wie der Herr Karl Likörkompositionen zu schätzen weiß, kann sich aus den Äpfelchen der Felsenbirne eine aromatische Spirituose zubereiten. Einfach mit Ansatzkorn und Kandiszucker mischen und nach vier Wochen abgeseiht und gekühlt servieren. Mit der Sorte Ballerina schmeckt das Likörchen ausgezeichnet.

  • Die Felsenbirne eignet sich gut zur Weiterverarbeitung zu Marmeladen, Gelees und Likören.
    illustration: dennis eriksson

    Die Felsenbirne eignet sich gut zur Weiterverarbeitung zu Marmeladen, Gelees und Likören.

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