Matura

Einserkastl5. Mai 2015, 17:11
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Typisch dürfte der Traum sein, in dem man weiß, dass man maturiert hat, aber dennoch noch einmal durchmuss

Die mit einem schulischen Oberstufenabschluss ausgestattete Menschheit, zumindest die österreichische, scheint sich in zwei Hälften zu teilen. Jene, die sich an ihre Maturafragen erinnern können, und die anderen, die das nicht tun und der ersten Gruppe ziemlich verständnislos gegenüberstehen: War das damals denn wirklich so wichtig?

Mit dem Alter hat das Erinnerungsvermögen offenbar nicht viel zu tun: Wenn das Gedächtnis den bürgerlich-akademischen Initiationsritus abhakt, dann offenbar bald post festum. Bei manchen handelt es sich gewiss um Verdrängung wegen großen Schreckens.

Aber auch jene, die die Matura wegen damals schon erkannter begrenzter Bedeutung fürs weitere Leben vergessen haben, erzählen, dass sie ihnen nächtens unterkommt: Typisch dürfte der Traum sein, in dem man weiß, dass man maturiert hat – sonst hätte man ja beispielsweise nicht studieren können –, aber dennoch noch einmal durchmuss, und diesmal wird es in Mathematik (Passendes einsetzen) mit Sicherheit ein Fleck.

Vielleicht hat sich das bei der Generation der Spaßgesellschaft, bei der die Matura in alle möglichen anderen lustigen Events eingebettet ist, längst geändert. Das wäre aber nur gerecht: Denn fürs etwaige Trauma bekam man früher ja doch noch ein bisschen mehr. Heute ist der Zettel, auf dem Bachelor draufsteht, die akademische Distinguierungsschwelle – ebenfalls schon mit zweifelhaftem Wert. (Gudrun Harrer, 5.5.2015)

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