Airchief des Heeres regt Pilotenausbildung mit Nato-Staaten an

Interview5. Mai 2015, 17:27
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Luftstreitkräfte-Chef Karl Gruber warnt vor weiteren Einsparungen beim Eurofighter

STANDARD: Im Zuge des neuen Finanzrahmens muss das Bundesheer 44 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Sind auch die Luftstreitkräfte davon betroffen?

Gruber: Im Vergleich zum Vorjahr zeichnen sich für uns derzeit keine veränderten Vorgaben ab. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass bei der Luftraumüberwachung, speziell beim Betrieb der Eurofighter, kaum mehr gespart werden kann.

STANDARD: Einer Ihrer Eurofighter-Piloten hat vorhin erklärt, dass Österreich im internationalen Vergleich bei den Flügen jetzt schon "an der Schmerzgrenze" liege. Gilt das fürs Personal ebenso wie für das Training in der Luft?

Gruber: Definitiv. Zwar muss Österreich keinerlei Kampfszenarien wie "vier gegen zwölf" (Jagdflugzeuge, Anm.) trainieren, aber allein mit dem Luftpolizeidienst kommen wir gerade noch zurecht. Denn aktuell gibt es nur mehr zwölf Piloten, die 80 bis 90 Flugstunden im Jahr absolvieren, dazu kommen für sie freilich die Trainings am Simulator. Aber da sollten wir keinesfalls mehr runter.

STANDARD: Wie viele Einsätze der Priorität Alpha sind die Abfangjäger heuer schon geflogen, weil sich undurchsichtige Situationen im Luftraum abgezeichnet haben?

Gruber: Exakt sechs. In den letzten Jahren lagen wir insgesamt stets zwischen 30 und 50 Einsätzen, die also nahezu einem pro Woche entsprechen können.

STANDARD: Aber nach Einbruch der Dämmerung ist quasi Schluss?

Gruber: Wenn man sagt, dass wir nur noch zu Bürozeiten einsatzbereit sein sollen, könnte man da freilich weiterkürzen - das ist aber eine politische Frage, die sich gerade wohl nicht stellt. Derzeit überwachen wir rund 85 Prozent der Flugbewegungen, die über Österreich stattfinden. In den meisten europäischen Ländern läuft der Betrieb freilich rund um die Uhr. Bei uns gilt nachts angesichts der momentan niedrigen Bedrohungslage Rufbereitschaft.

STANDARD: Wann fällt ein Entscheid über die Nachbeschaffung der vierzig Jahre alten Saab, die für die Piloten als Trainingsflieger dienen und immer noch einen Teil der Luftraumüberwachung übernehmen?

Gruber: Bis 2020 können wir die Saab noch betreiben. Das heißt, dass es heuer noch einen Entscheid dazu geben sollte.

STANDARD: Angesichts der Sparzwänge beim Bundesheer: Braucht es die Flugshow Airpower in Zeltweg noch, zu der das Verteidigungsressort beim letzten Mal eine Million zugeschossen hat - oder könnte man die streichen?

Gruber: Natürlich könnte man die Flugshow als Werbeveranstaltung streichen. Aber ich gebe dabei zu bedenken, dass diese Veranstaltung bisher auch guten Übungscharakter für uns hatte.

STANDARD: Weil man im Verband mit anderen Staaten atemberaubende Luftakrobatik einstudiert?

Gruber: Eher, weil Piloten wie Bodenpersonal bei der Airpower den "Host Nation Support" trainieren können. Viel bedeutsamer sind aber die zivil-militärischen Vorbereitungen für die Veranstaltung mit Behörden wie den Bezirkshauptmannschaften, der Polizei und auch den Feuerwehren. Ähnliche Koordinierungsabläufe würden auch bei einem echten Krisenmanagement zum Tragen kommen, wie etwa nach einem starken Erdbeben. Auch könnte man die Infrastruktur in Zeltweg im Ernstfall für eine Zeltstadt nützen.

STANDARD: Heißt das, ohne Airpower müssten dann andere Übungen abgehalten werden?

Gruber: Ja. Zu vergessen ist auch nicht der wirtschaftliche Aspekt für die Region, der bisher bis zu zwanzig Millionen hereinbrachte. Demnächst soll jedenfalls der Entscheid fallen, ob die Flugshow künftig in noch größeren Intervallen als alle zwei Jahre stattfindet - oder eben gar nicht mehr.

STANDARD: Wo sehen Sie noch Sparpotenzial?

Gruber: Gerade bin ich in Gesprächen mit Ungarns Luftwaffenchef über unsere Pilotenausbildung. Im Austausch mit den Kollegen in den anderen europäischen Staaten zeichnen sich bei fast allen dieselben Probleme ab: kaum Budget für die Luftstreitkräfte, veraltete Flotten, aber eine nach wie vor teure Ausbildung für die Piloten. Daher wäre es langfristig gesehen wirtschaftlicher, wenn sich drei, vier Staaten für gemeinsame internationale Ausbildungszentren zusammentun.

STANDARD: Österreich soll da als Neutraler mit Nato-Staaten kooperieren?

Gruber: Unsere Neutralität ist bei gemeinsamer Ausbildung kein Problem, solange wir dabei nicht planen, in gemeinsame Kampfeinsätze zu gehen. Jetzt kostet die Republik die gesamte Schulung für einen Eurofighter-Piloten vom Anfang bis zum Ende bis zu sechs Millionen Euro. Bei einem gemeinsamen Pool könnte man einerseits auf modernere Trainingseinrichtungen zurückgreifen, andererseits ein Drittel der Kosten für die Ausbildung einsparen.

STANDARD: Nach den Anschlägen in Paris ist ein Teil der Heereshubschrauberflotte in höhere Bereitschaft versetzt worden, um etwa bei Geiselnahmen mit der Cobra des Innenministeriums schneller vor Ort sein zu können. Wie oft wurde seitdem von einer erhöhten Gefährdungslage im Land ausgegangen?

Gruber: Bis jetzt noch nie. Ich gehe davon aus, dass der erste Anlass erst beim G-7-Gipfel im bayrischen Elmau im Juni stattfindet. (Nina Weißensteiner, 5.5.2015)

Karl Gruber (59) ist seit 2013 Chef der Luftstreitkräfte. Der Brigadier, der seine Generalstabsausbildung an der Landesverteidigungsakademie in Wien absolviert hat, flog als Pilot einst den Hubschrauber Bell OH-58 Kiowa.

Das Interview fand bei einem Besuch im Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg statt, der auf Einladung des Bundesministeriums für Landesverteidigung erfolgte.

  • "In anderen europäischen Staaten zeichnen sich dieselben Probleme ab: kaum Budget, veraltete Flotten": Karl Gruber über den Zustand der Luftstreitkräfte.
    foto: matthias cremer

    "In anderen europäischen Staaten zeichnen sich dieselben Probleme ab: kaum Budget, veraltete Flotten": Karl Gruber über den Zustand der Luftstreitkräfte.

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