Nicht untergehende Hoffnung

5. Mai 2015, 17:14
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Christoph Hein Ehrengast von "Literatur im Nebel"

Wien - Zwei Tage, ein Autor. Das ist das Konzept von "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein im Waldviertel. Und es gibt nicht viele Literaturveranstaltungen, die eine so konzentrierte, vielschichtige, ja tiefe Auseinandersetzung (Lesungen, Vorträge, Diskussionen) mit dem Werk eines Schriftstellers bieten wie das herbstliche Literaturtreffen unweit der tschechischen Grenze.

Nach, um nur einige zu nennen, Salman Rushdie, Amos Oz, Margaret Atwood und 2014 Ian McEwan wird sich am 16. und 17. Oktober dieses Jahres bei "Literatur im Nebel" alles um den deutschen Autor Christoph Hein drehen. 1944 in Schlesien geboren, zogen sich früh Brüche durch das Leben des Pastorensohnes, der wegen des väterlichen Berufs nicht in der DDR die Oberschule besuchen durfte, sondern in ein von den evangelischen Kirchenbehörden eigens für Kinder ostdeutscher Pastoren eingerichtetes Westberliner Gymnasium ging. 1961 im Sommerurlaub vom Mauerbau überrascht, blieb Hein bei der Familie in der DDR.

Nach Abitur, diversen Jobs und einem Studium der Philosophie verschrieb sich Hein 1979 endgültig der Literatur. Zunächst vor allem dem Theater. Weil die kritischen Stücke des an Walter Benjamin geschulten Autors immer wieder verboten wurden, wandte er sich vermehrt der Prosa zu. Mit Stücken wie Ritter der Tafelrunde, 1989 uraufgeführt und oft als Parabel über das Politbüro der SED gesehen, sowie Prosaarbeiten wie Drachenblut (1983), Der Tangospieler (1989), Das Napoleon-Spiel (1993) und Willenbrock (2000) schrieb sich Hein nachhaltig in die deutsche Literaturgeschichte ein. Bis heute hält er hartnäckig an der erkenntnisfördernden Macht der Worte fest - und am Traum einer gerechten Gesellschaft. Hoffnung, sagte Christoph Hein einmal, "scheitert, aber sie geht nicht unter". (steg, 5.5.2015)

Literatur im Nebel

16. und 17. Oktober

  • Festhalten an der Macht der Worte: Christoph Hein.
    foto: heike steiweg/suhrkamp verlag

    Festhalten an der Macht der Worte: Christoph Hein.

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