Auer: "Wenn man Geld nimmt, ist man verkauft"

5. Mai 2015, 15:18
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Am Mittwoch soll Wolfgang Auer als Vizechef des Teams Stronach endgültig Geschichte sein; mit seinem Parteiengagement will er nichts verdient haben

Am Mittwoch soll Wolfgang Auer als Vizechef des Teams Stronach endgültig Geschichte sein. Mit dem STANDARD sprach er über die Faszination des Frank Stronach und sein Engagement beim Team Stronach, das ihn sehr viel Geld gekostet habe, das er aber trotzdem nicht bereut.

STANDARD: Frank Stronach wird am Mittwoch eine Sitzung in Oberwaltersdorf abhalten. Dann soll Ihre Absetzung als Parteivize fixiert werden. Wissen Sie Details zur Sitzung?

Auer: Ich habe keine Ahnung. Mit mir hat weder Bundesgeschäftsführer Ronald Bauer noch Frank Stronach selbst Kontakt aufgenommen. Ich bin von jeglicher Information beim Team Stronach abgeschnitten.

STANDARD: Wann waren Sie zuletzt in den Räumlichkeiten des Teams Stronach in Wien?

Auer: Das war, als ich erfuhr, dass ich nicht mehr Spitzenkandidat in der Steiermark bin und dass auch meine Zeit als Parteiobmann-Stellvertreter vorüber sein soll, also vor 14 Tagen.

STANDARD: Ich habe Ihnen eine E-Mail geschickt – an Ihre Adresse beim Team Stronach. Die hat Sie dann wohl nicht mehr erreicht?

Auer: Nein, ich kann meine Mails beim Team Stronach nicht mehr abrufen. Auch mein Handyanschluss wurde ohne Vorwarnung gekappt.

STANDARD: Wie geht es Ihnen damit, dass Sie nach Ihrem Engagement nun so abserviert werden?

Auer: (lacht) Wenn man das historisch betrachtet, was beim Team Stronach so passiert, ist das keine Überraschung. Man muss immer mit allem rechnen. Mich persönlich kratzt das nicht allzu intensiv.

STANDARD: Warum haben Sie sich eigentlich auf das Team Stronach eingelassen? Haben Sie gedacht, ausgerechnet Sie wird die Kultur des Hire and Fire nicht treffen?

Auer: Wenn es mir etwas vorzuwerfen gibt, dann wäre das unter Umständen, dass ich die Werte Wahrheit, Fairness und Transparenz für real gehalten habe. Aber: Selbst mit dem Wissen, das ich heute habe, würde ich es wieder machen.

STANDARD: Weil?

Auer: Weil es eine hochinteressante Erfahrung ist, weil es spannend ist zu erfahren, wie Politik wirklich funktioniert. Im Speziellen ist auch interessant zu erfahren, wie das Team Stronach wirklich ist. Nämlich genau so, wie es gezeichnet wird.

STANDARD: Können Sie sich vorstellen, für eine andere Partei aktiv zu werden?

Auer: Es gab bereits Angebote. Ich kann ausschließen, dass ich unbedingt in der Politik sein will.

STANDARD: Haben Sie die Hoffnung, doch noch Vizeparteichef bleiben zu dürfen?

Auer: (lacht) Es geht nicht um dürfen. Ich bin nur deshalb nicht zurückgetreten, weil es mir darum geht, dass die Öffentlichkeit aufgerüttelt wird. Das Team Stronach hat überhaupt keine demokratische Struktur und wird rein monokratisch geführt. Die Monokratie hat zwei Formen. Einerseits die Monarchie. Ich denke nicht, dass Stronach königliche Wurzeln hat. Die andere Form ist die Diktatur. Das kann es nicht sein.

STANDARD: Ist Frank Stronach ein Diktator?

Auer: Das will ich nicht sagen. Herr Stronach bekommt Parteienförderung, deshalb ist es notwendig, Transparenz einzufordern. Immerhin: Das Team Stronach hat elf Abgeordnete, einen Bundesrat und ist in drei Landesregierungen vertreten.

STANDARD: Team-Stronach-Bundesgeschäftsführer Bauer wirft Ihnen vor, Finanzrichtlinien nicht eingehalten zu haben.

Auer: Der Herr Bauer wird sicher irgendein komisches Konstrukt haben. Ich will nur eines sagen: Ich bin vollkommen unabhängig, auch vom Herrn Bauer und vom Herrn Stronach. Für meine dreimonatige Tätigkeit habe ich weder einen Euro an Spesen noch eine Aufwandsentschädigung bekommen. Ich will eher die Frage umgekehrt stellen, ob der Herr Bauer bereit ist, die Finanzen der Partei offenzulegen.

STANDARD: Das heißt, Sie haben in den drei Monaten beim Team Stronach nichts verdient?

Auer: Es hat mich sogar sehr viel Geld gekostet, denn ich bin Freiberufler und Unternehmer. Ich habe, wie gesagt, nicht einmal Spesen oder eine Aufwandsentschädigung bekommen. Gott sei Dank!

STANDARD: Warum "Gott sei Dank"?

Auer: Wenn man Geld nimmt, ist man auch verkauft. Das gehört zum System des Teams Stronach.

STANDARD: Wird das "System Stronach" noch länger aufrechtzuerhalten sein? Oder werden die Abgeordneten im Klub, für die ja prinzipiell das freie Mandat gilt, über kurz oder lang nicht mehr mitmachen?

Auer: Ich glaube nicht, dass sich das die Öffentlichkeit noch lange gefallen lässt. Ich glaube auch nicht, dass die Mandatare das alles mit ihrem Selbstwertgefühl langfristig vereinbaren können.

STANDARD: Warum sind Sie überhaupt zum Team Stronach gegangen? Es hatte ja auch schon zuvor einen ramponierten Ruf.

Auer: Mir ist es gegangen wie wahrscheinlich vielen anderen zuvor. Herr Stronach ist als Person faszinierend. Er hat unternehmerisch eine gewaltige Leistung vollbracht. Man unterliegt dieser Faszination. Er hat gesagt, du bist ein klasser Bursch, und jetzt brauchen wir dich.

STANDARD: Würden Sie mit Herrn Stronach wieder einmal auf einen Kaffee gehen?

Auer: Ich habe kein Problem damit. Ich denke, dass Herrn Stronach früher oder später die Augen aufgehen. Wenn er will, kann er sich melden. Es ist mir völlig einerlei. (Katrin Burgstaller, 5.5.2015)

Wolfgang Auer (52) ist Arzt und war im Februar, März und April 2015 Vizechef des Teams Stronach sowie Spitzenkandidat in der Steiermark. Als "Basen-Auer" vertreibt er Heilmittel.

  • Wolfgang Auer:  "Er hat gesagt, du bist ein klasser Bursch, und jetzt brauchen wir dich."
    foto: apa/hans klaus techt

    Wolfgang Auer: "Er hat gesagt, du bist ein klasser Bursch, und jetzt brauchen wir dich."

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