Alijew-Prozess: Alijew scheute "grausame Maßnahmen" nicht

5. Mai 2015, 15:32
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Ex-Mitarbeiter Alijews widersprach früheren Angaben - Vorsitzender: "Habe die Möglichkeit, ihn in Haft zu nehmen, wenn er nicht die Wahrheit sagt"

Astana/Wien – Mit einer Schilderung des Charakters von Rachat Alijew ging die stundenlange Befragung des 51-jährigen Zeugen zu Ende. Alijew sei eine charismatische Persönlichkeit gewesen und habe sich selbst genügt, bemerkte sein ehemaliger Mitarbeiter. In für ihn krisenhaften Situationen habe er sich nicht gescheut, "grausame und brutale Maßnahmen zu ergreifen".

Zehnter Verhandlungstag im Prozess um die Ermordung und Entführung der kasachischen Banker Zholdas Timralijew und Aybar Khasenow: Im Wiener Straflandesgericht ist am Dienstag ein ehemaliger Mitarbeiter des früheren kasachischen Botschafters in Wien, Alijew, als Zeuge vernommen worden. Der 51-Jährige belastete Alijew, widersprach dabei allerdings teilweise bisher getätigten Aussagen.

Der vorsitzende Richter Andreas Böhm machte den Mann darauf aufmerksam, dass er verpflichtet sei, die Wahrheit zu sagen. Als dieser daraufhin wiederholt Feststellungen zu Protokoll gab, die er bei seiner Einvernahme durch die Wiener Staatsanwältin Bettina Wallner im Jahr 2012 noch nicht geliefert hatte und Alijew stärker als zuvor belastete, drohte ihm Böhm mit Konsequenzen: "Ich habe die Möglichkeit, ihn in Haft zu nehmen, wenn er nicht die Wahrheit sagt."

Zeuge soll bei Entführung gewesen sein

Der Mann war seit 1997 für Alijew tätig, unter anderem als Inspektor für die Wirtschafts- und Finanzabteilung der Stadt Almaty. Weil er an der Entführung der beiden Banker am 31. Jänner 2007 beteiligt und bei ihrer Misshandlung dabei gewesen sein soll, wurde er nach einer kurzzeitigen Flucht nach Usbekistan, wo er im Juni 2007 festgenommen und noch am selben Tag nach Kasachstan ausgeliefert wurde, in seiner Heimat zu einer 15-jährigen Freiheitsstrafe unter strengen Haftbedingungen verurteilt.

Seinen Angaben zufolge wurden ihm in weiterer Folge fünf Jahre erlassen, nachdem er sich entschieden hatte, mit den kasachischen Behörden zu kooperieren. So trat der 51-Jährige im Verfahren gegen Alijew, den ehemaligen Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew, als Belastungszeuge auf.

Alijew, bei Nasarbajew mittlerweile in Ungnade gefallen, wurde vorgeworfen, die Banker verschleppt und nach mehrtägiger Gefangenschaft umgebracht zu haben, weil er ihnen unterstellte, Vermögen aus der Nurbank, an der Alijew Mehrheitsanteile hielt, abgezweigt zu haben. Alijew hat diese Vorwürfe stets bestritten. Weil Österreich in Kasachstan für ihn kein faires Verfahren garantiert sah, wurde seine Auslieferung abgelehnt und stattdessen ein Inlandsverfahren eröffnet. Nun müssen sich Wiener Geschworene mit dem Fall beschäftigen, wobei mit Alijew der Hauptangeklagte fehlt. Er wurde am 24. Februar 2015 erhängt in seiner Zelle im Landesgerichtlichen Gefangenenhaus aufgefunden.

Der Prozess wird morgen, Mittwoch, mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt. (APA, 5.5.2015)

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