Fertighauspionier Hanlo ist insolvent

5. Mai 2015, 17:55
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Ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung wurde beantragt

Graz - Auf Österreichs Fertighausmarkt tun sich laufend neue Baustellen auf. Erst kürzlich ließ der Platzhirsch Elk mit der Nachricht aufhorchen, seine Expansion in England über einen Lohnverzicht der Mitarbeiter im Ausmaß von drei bis vier Prozent zu finanzieren. Nach heftigen Protesten blies der Waldviertler Konzern dieses Vorhaben vorerst ab. Jetzt gerät ein weiterer Traditionsbetrieb unfreiwillig ins öffentliche Licht: Hanlo, einstiges Familienunternehmen und einer der Pioniere der Branche, ist pleite.

Der Steirer Hanno Loidl gründete den nach ihm benannten Fertighaushersteller vor 40 Jahren in Graz und baute ihn zu einem der größten im deutschsprachigen Raum aus. Loidl hatte nach einem Unfall Lösungen für ein barrierefreies Wohnen gesucht. Anfang der 1990er-Jahre übernahm er eine Produktion in Freiwalde in Deutschland und tastete sich nach Osteuropa und Italien vor. 2011 schied Loidl aus dem Unternehmen aus. Hanlo kam unters Dach der international tätigen Green Building Group, die wiederum in Hand der weltweiten Beteiligungsgesellschaft HIG Capital mit Sitz in Luxemburg ist. Rund 10.000 Häuser gehen seit 1975 auf Hanlos Konto.

Viel Konkurrenz, wenig Geld

Gestern, Dienstag, meldete der Betrieb mit 75 Mitarbeitern und Passiva in Höhe von mehr als 21 Millionen Euro Insolvenz an. In Graz wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Gläubigern wird eine Mindestquote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren angeboten. Ziel ist es, das Unternehmen mithilfe eines Investors zu entschulden und sanieren, teilte der Alpenländischen Kreditorenverband mit. Hanlo führt die Krise auf starken Verdrängungswettbewerb zurück, der die Aufträge einbrechen ließ. Häuslbauer hätten aufgrund knapperer Bankenkredite gespart. Dazu kamen finanzielle Probleme rund um mehrgeschoßige Wohnbauten.

Erwischt hat es in den vergangenen Jahren auch etliche Mitbewerber von Hanlo. 2009 etwa ging Kampa in Deutschland pleite und riss ihre Österreichtochter mit. 2013 war der Kärntner Fertighausbauer Griffner zahlungsunfähig. Griffner kam mittlerweile mit neuen Kärntner Eigentümern wieder auf stabile Beine und widmet sich nun seiner Kernkompetenz, den Einfamilienhäusern.

Der Absatz von Fertighäusern sank im Vorjahr in Österreich leicht um 1,9 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten der Branche nimmt stetig ab. (vk, DER STANDARD, 6.5.2015)

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