Deutscher Bahnstreik bremst Pendler aus

5. Mai 2015, 07:38
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Die Lokführer weiteten ihren Streik auf den Personenverkehr aus, Millionen Pendler in Deutschland sind betroffen

Berlin - Der Streik bei der Deutschen Bahn hat Millionen Pendler im deutschen Berufsverkehr getroffen. Nach Angaben der ÖBB wird der Streik wenig bis keine Auswirkungen auf den Bahnverkehr innerhalb Österreichs haben. In der Nacht zum Dienstag weiteten die Lokführer ihren im Güterverkehr begonnenen Ausstand bundesweit auf den S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr aus.

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In vielen Städten fielen am Morgen zahlreiche S-Bahnen aus. Laut Bahn waren Berlin, Halle, Frankfurt und Mannheim besonders betroffen. Im Regionalverkehr fielen demnach rund ein Drittel der Züge aus, im Fernverkehr zwei Drittel. Der achte Streik im laufenden Tarifkonflikt soll bis Sonntag dauern. Damit wäre er der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Eine Annäherung zur Lokführergewerkschaft GDL war nicht in Sicht.

Güterverkehr

Besonders stark vom Ausstand betroffen sind laut Bahn der bereits seit Montag bestreikte Güterverkehr. Hier gebe es bundesweit massive Verspätungen sowie Einschränkungen der Kunden im In- und Ausland. Zeitkritische Transporte fährt die Bahn jedoch bevorzugt, um Produktionsausfälle zu vermeiden. Zudem haben inzwischen private Konkurrenten der Bahn einen Marktanteil von rund einem Drittel erobert. Auch im Regionalverkehr fahren die Züge dort, wo die Deutsche Bahn Verkehrsaufträge der Länder an andere Unternehmen verloren hat.

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In dem seit fast einem Jahr schwelenden Konflikt pocht die GDL darauf, auch Zugbegleiter und Rangierführer zu vertreten, für die aber auch die größere Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandeln will. Die Bahn lehnt mehrere Verträge für eine Beschäftigtengruppe ab.

Neue Drohungen

Unterdessen drohte die GDL mit neuen Arbeitsniederlegungen. "Wenn das Bahnmanagement unbeeindruckt auf uns zeigt unter der Überschrift: 'Das sind Streikhanseln', dann werden die Mitglieder der GDL - die Lokführer und Zugbegleiter - das Management weiter abstrafen wollen", sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Montag in den "ARD-Tagesthemen".

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Weselsky lehnt eine auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel geforderte Schlichtung ab. In der Union wurden Forderungen nach einer Zwangsschlichtung laut: Der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, sagte der "Bild", wenn eine Kleinstgewerkschaft ein ganzes Land erpresse, müsse eine Zwangsschlichtung für Bereiche der öffentlichen Daseinsfürsorge im Streikrecht eingeführt werden.

Die Bahn pocht unterdessen ihrerseits auf eine Schlichtung. "Wir werden darauf beharren, dass wir in ein solches Verfahren gehen", sagte Personalvorstand Ulrich Weber im Deutschlandfunk. Der Fahrgastverband "Pro Bahn" brachte eine Moderation ins Gespräch. Damit könne ein Dialog erleichtert werden, sagte Verbandssprecher Karl-Peter Naumann der "Rheinischen Post". (APA, 5.5.2015)

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