Kärnten-Pleite: Nächste Panne

Kommentar4. Mai 2015, 18:15
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Zusammenhalt heißt das neue Zauberwort

Experten und Politiker haben nach einigen Monaten des Säbelrasselns die Friedenspfeife ausgepackt. Kärnten muss sich keine Sorgen mehr machen, in die Pleite geschickt zu werden. Die interessante Begründung, die auch Sonntagabend bei "Im Zentrum"
zu vernehmen war: Eine Insolvenz Kärntens würde eine Kettenreaktion bei anderen Bundesländern auslösen. Man kann es auch umgekehrt betrachten. Eine Rettung des Hypo- wie Haider-geschädigten Landes durch den Bund wäre ein Freibrief für alle anderen Bundesländer. Ob Gier, Großmannssucht oder Spieltrieb: Die Folgen finanzieller Fehlspekulation können elegant vergemeinschaftet werden.

Zusammenhalt heißt das neue Zauberwort. Wer für den Sinneswandel wohl Pate gestanden sein mag? Ein Schelm, der an eine Achse des SPÖ-Vorsitzenden und Bundeskanzlers mit dem obersten Genossen in Kärnten denkt. Ein Schalk, der über Verbindungen zwischen schwarzen Landeshauptleuten und der VP-Regierungsriege sinniert. Das Ammenmärchen von schließenden Kindergärten und Spitälern ohne Ärzte hat Wirkung gezeigt.

Die Nebenwirkungen der als Solidarität getarnten Parteibuchwirtschaft sind ziemlich schmerzvoll. Heta-Gläubiger lachen darüber, dass Österreich ohne ein Druckmittel in die Verhandlungen über einen angestrebten Forderungsverzicht schreitet. Das Nein zur Kärnten-Insolvenz passt somit vorzüglich zur bisherigen Hypo-Pannenserie. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 5.5.2015)

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