Louise Kiesling: Auf Onkel Ferdis Überholspur

4. Mai 2015, 17:56
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Eine kleine Reise durch den Porsche-Piëch-Clan

Onkel und Tante, ja das sind Verwandte, die man am liebsten nur von hinten sieht" - davon weiß nicht nur die lebenslustige Julia in der Operette Der Vetter aus Dingsda von Eduard Künneke ein Liedchen zu singen. Auch die Österreicherin Louise Kiesling könnte derzeit guten Grund haben einzustimmen.

Schließlich sind Onkel Ferdinand Piëch und seine Frau Ursula, sprich Tante Uschi, alles andere als entzückt, um nicht zu sagen verstimmt darüber, dass sie und ihre Cousine Julia Kuhn-Piëch die beiden ohne ihr Zutun beerben. Konkret als neue Aufsichtsratsmitglieder beim von den Familien Porsche und Piëch kontrollierten deutschen Autobauer VW. Beide seien zu unerfahren und hätten bislang kaum Berührung mit der Autoindustrie, stänkerte der ob seines verlorenen Machtkampfs gegen VW-Chef und Ziehsohn Martin Winterkorn verärgerte Firmenpatriarch zuletzt über seine Nichten.

Komplizierte Familie

Die Familienverhältnisse im Porsche-Piëch-Clan waren schon immer kompliziert, daher ein kleines Who's who. Die Österreicherin Louise Kiesling (57) ist eine Tochter der 2006 verstorbenen Schwester Ferdinand Piëchs, Louise Daxer-Piëch (verheiratete Ahorner). Deren Mutter Louise Porsche (1904-1999) ist wiederum eine Tochter des Porsche-Gründers und VW-Käfer-Ingenieurs Ferdinand Porsche (1875- 1951). Sie hatte durch Heirat den Namen Piëch angenommen, weswegen der Clan seither nicht mehr einheitlich Porsche heißt. Die Folge: ein Familiendrama, das den Denver-Clan in den Schatten stellt.

Louise Kiesling kennt sich zwar nicht so gut mit Maschinenbau aus wie Onkel Ferdi, dafür mit Design. Doch vor einigen Jahren erwachte offenbar ihr Interesse an Kraftwagen. Die Modeabsolventin der Universität für angewandte Kunst in Wien schrieb im Alter von 50 Jahren ihre Doktorarbeit zum Thema Automobildesign am Londoner Royal College of Art.

Backhausen-Eigentümerin

Beruflich hat sie bisher um ihre Herkunft wenig Aufhebens gemacht. Seit 2012 ist sie Partnerin bei Coop Himmelb(l)au sowie seit dem Vorjahr Eigentümerin der 2012 pleitegegangenen Waldviertler Textilmanufaktur Backhausen mit 80 Mitarbeitern.

Auch sonst versteht sie Tradition mit Moderne zu verknüpfen. In ihrem Wohnort Klosterneuburg hat sie das historische Martinschlössel herausgeputzt. Über ihre Person hüllt sie sich gekonnt in Schweigen. Nur ihr engstes Umfeld weiß, welches Auto sie fährt. Wetten werden angenommen. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, 5.5.2015)

  • Zieht in VW-Aufsichtsrat ein: Louise  Kiesling.
    foto: apa/volkswagen

    Zieht in VW-Aufsichtsrat ein: Louise Kiesling.

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