Knabbern am Grün

Einserkastl4. Mai 2015, 17:30
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Schleichende Verbauung der Erholungsgebiete Wiens

Seit undenklichen Zeiten eröffnet der Wiener Bürgermeister gemeinsam mit dem Präsidenten / der Präsidentin der Wiener Handelskammer die Freizeitsaison an der Alten Donau. Für Nichtwiener: Die Alte Donau ist ein Altarm der Donau, übrig geblieben von der großen Regulierung im 19. Jahrhundert.

Jedenfalls ist Michael Häupl auch heuer wieder zur Stelle, diesmal begleitet vom neuen Handelskammerpräsidenten Walter Ruck. Man stellt sich auf den Steg eines Bootsverleihs, besteigt vielleicht sogar kühn ein Elektroboot und verbreitet sich über die seelischen und materiellen Vorteile des Freizeitparadieses Alte Donau (Kleingartenhäuser in Wassernähe werden inzwischen mit Gold aufgewogen). Ganz früher war da einmal ein Dschungel in einer unregulierten Flusslandschaft, früher (in den ersten Nachkriegsjahrzehnten) war die Gegend noch etwas naturnäher, heute rücken Großbauten schon ganz schön knapp heran.

Und nicht nur dort: Wer die Erholungsgebiete Wiens vom Wienerwald bis zum alten Augebiet (Prater) über die letzten Jahre besucht hat, bemerkt, dass die grüne Lunge immer häufiger angeknabbert wird. Teils private, teils städtische Bauvorhaben knabbern da ein Fleckerl, dort ein Fleckerl ab. Ganz zu schweigen vom Großeingriff der Lobau-Untertunnelung. Vielleicht spricht jemand den Herrn Bürgermeister beim nächsten PR-Termin auf die schleichende Verbauung an. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 5.5.2015)

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