Zinsniveau von Fundamentaldaten losgelöst

4. Mai 2015, 17:27
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Private-Banking-Kunden lagern Entscheidungen gerne an die Bank aus. Im Zuge der Niedrigzinspolitik sei der Werterhalt keine einfache Aufgabe

Wien - "Kunden sind heutzutage kompetenter", sagt Franz Witt-Dörring, Chef der Schoellerbank. Und sie wollten, dass man sich gut um sie kümmere. Im Rahmen des Private Bankings zeichne sich dies dadurch aus, dass immer mehr Kunden die Vermögensverwaltung der Bank übertragen. Das bedeutet, dass die Bank die Letztentscheidung über ein Investment trifft. Mit dem Kunden werden die Ziele vereinbart, den Rest entscheidet die Bank. Zwei Drittel des Depotvolumens würden bei der Schoellerbank bereits so verwaltet. "Das ist ein großer Vertrauensbeweis", sagt Witt-Dörring.

Den Vermögenserhalt zu sichern sei in Zeiten der Niedrigzinsphase aber nicht einfach. "Dass die Zinsen von fast nichts auf gar nichts gesunken sind, ist schon überraschend", sagt der Bankchef. Das Zinsniveau sei von den Fundamentaldaten losgelöst. In den Portfolios werden daher Aktien übergewichtet, der Fokus liege auf Asien. Im Anleihenbereich werde - trotz niedriger Zinsen - nur auf beste Bonität gesetzt.

Die Erhöhung der Ausschüttungssteuer von 25 auf 27,5 Prozent schmecke den Kunden freilich nicht. Das sei auch kein gutes Signal für den Markt.

Die Bank weist für 2014 eine Bilanzsumme (nach IFRS) von 3,7 Mrd. Euro aus. Die Kernkapitalquote liegt bei 40 Prozent. Weil heuer die Dividende von rund 20 Mio. Euro in der Bank bleiben soll, steigt die Kernkapitalquote laut Witt-Dörring auf rund 50 Prozent. Solche Werte würden auch für Klienten wichtiger: "Wie solide und sicher eine Bank ist, interessiert heute die Kunden", so Witt-Dörring. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 5.5.2015)

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