Männliche Med-Uni

Blog5. Mai 2015, 05:30
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Das Auswahlverfahren um den neuen Rektor zeigt vor allem eines: Es wird nach wie vor fröhlich gemauschelt. Der Neue sollte dort schleunigst das Unterste zuoberst kehren. Das wäre der einst weltberühmten Universität zu wünschen.

Wer das Gezerre um die Besetzung der Rektorsposition an der Med-Uni Wien beobachtet hat, konnte sich des Gedankens nicht erwehren, dass es hier ziemlich "retro" zugeht.

Erst beschwerte sich der Uniratsvorsitzende Erhard Busek über Interventionen von allen Seiten, dann stritten Unirat und Senat so lange über die Einladungsliste, bis man freihändig entschied mehr Kandidaten einzuladen als vorgesehen. Dann richtete der Unirats-Vorsitzende persönlich einem externen Kandidaten aus, er halte ihn nicht für geeignet (obwohl seine Qualifikationen den Ausschreibungskriterien voll entsprachen), dann folgte Formfehler auf Formfehler rund um Hearings und Erstellung der Shortlist.

So nebenbei wurde die einzige weibliche Kandidatin ausgeschieden (trotz hoher Zustimmung im Senat), übrig blieben – drei Männer. Dass man sich bis dato nicht auf einen Namen einigen konnte und hinter den Kulissen heftig weiter streitet und intrigiert, passt ins Bild.

Flurfunk-Lösung

Die Lösung des Problems scheint, glaubt man dem AKH-Med-Uni-Flurfunk, nun darin zu bestehen, dass fast alle, die im Auswahlverfahren übrig blieben, irgendwie zum Zug kommen: Der deutsche Pharmakologe Harald Schmidt, Leiter des pharmakologischen Instituts der Med-Uni Maastricht, könnte zum Rektor gekürt werden, ihm als Vize zur Seite gestellt werden könnten Eduard Auff (Leiter der Neurologie am AKH/Med-Uni), sowie Karin Gutierrez-Lobos, die bisher schon Vizerektorin war.

Damit, so offenbar die Überlegung, könnten etwaige Einsprüche und Anfechtungen umgangen werden. Auff, obwohl eigentlich schon im Ruhestands-Alter, könnte noch vier weitere Jahre in Leitungsfunktion im Haus verbleiben, Gutierrez-Lobos, die im Hearing ausgeschieden wurde, wäre wieder an Bord. Man hätte quasi alle im Boot, für die sich jeweils Senats- und Uniratsmitglieder eingesetzt haben, und obendrein ein nach außen herzeigbares Team mit einem "internationalen" Kandidaten - quasi eine großkoalitionäre Lösung, die das Image des Unirats wieder repariert.

Dem Vernehmen nach sollen bei den informellen Nachbesprechungen der verbleibenden Kandidaten mit dem Unirat alle gefragt worden sein, ob sie sich auch mit der Stellvertreter-Position zufrieden geben. (Eigentlich wieder ein potenzieller Formfehler: Der Betriebsrat und der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen hätten dazu eingeladen werden müssen – wenn schon mauscheln, dann mit allen). Einzig Markus Müller, Chef der Uni-Klinik für Klinische Pharmakologie an der Med-Uni Wien, soll abgelehnt haben.

De facto Stillstand

Sollte das tatsächlich so kommen, wäre das eine Fortsetzung der an AKH und Med-Uni schon üblichen Klientelpolitik. Harald Schmidt, der Kandidat aus Maastricht, würde wohl eine gute Zeitlang brauchen, um die Verhältnisse und verworrenen Doppelstrukturen an Wiens größtem Krankenhaus und größter Medizin-Universität zu durchschauen.

Dass es für einen Außenstehenden nicht leicht ist, sich in die österreichischen Verhältnisse einzuleben, zeigen auch (teils gescheiterte) Beispiele an den Med-Unis Graz und Innsbruck.

Gleichwohl gefiele das einigen der mächtigen Klinik-Chefs, die in der Vergangenheit durchaus davon profitierten, dass an der Spitze der Universität de facto Stillstand herrschte. Der bisherige Rektor Wolfgang Schütz verhedderte sich zunehmend in (standes-)politische Scharmützel, die nirgendwohin führten – schon gar nicht zu besseren Arbeitsbedingungen für das medizinische Personal.

Dass wegen des neuen Arbeitszeitgesetzes nach wie vor eine Streikdrohung der AKH-Ärzte in der Luft hängt, ist nur ein Symptom einer zum Alltag gewordenen Krise. Es stockt bei Nachbesetzungen, dringend benötigte Personalentscheidungen werden immer wieder aufgeschoben, das Problem, dass viele Starmediziner zu wenig vor Ort und zu viel in ihren Privatkliniken, -labors und -ordinationen sind, ist nach wie vor nicht zufriedenstellend gelöst.

Männliche Spitzenmedizin

Auch aus frauenpolitischer Sicht ist die Lage an der Med-Uni nicht zufriedenstellend: Auf dem Papier wurde zwar einiges in Sachen Gleichstellung voran gebracht. De facto sind aber fast alle Leitungspositionen in den prestige- und Gelder-trächtigen Abteilungen, sei es Gynäkologie, Onkologie oder auch Chirurgie, fest in Männerhand.

Man macht sich die wichtigen Dinge eben gern untereinander aus – das war immer so und soll offenbar noch länger bleiben.

Wer auch immer nun der neue Rektor der Med-Uni Wien wird: Ihm – und vor allem der altehrwürdigen, einst weltberühmten Wiener Institution – ist sehr zu wünschen, dass er die Power und das Stehvermögen hat, dort sehr rasch das Unterste zuoberst zu kehren. Die Med-Uni Wien und ihre vielen engagierten Mitarbeiter hätten es sich verdient.

  • Der Med-Uni Wien ist ein neuer Rektor mit Power und Stehvermögen zu wünschen.
    foto: heribert corn /www.corn.at

    Der Med-Uni Wien ist ein neuer Rektor mit Power und Stehvermögen zu wünschen.

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