Nadeln im Fleisch: Angeklagte geständig

4. Mai 2015, 16:06
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60-Jährige wollte auf Produktionsumstände hinweisen

Lübeck - Mit einem tränenreichen Geständnis und einer Entschuldigung hat in Deutschland der Prozess um mit Nadeln gespicktes Fleisch begonnen. "Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass dieses Industrie-Fleisch voller Medikamente ist und unter unsäglichen Umständen hergestellt wird, sagte die 60-jährige Angeklagte vor dem Lübecker Landgericht.

Heute tue es ihr leid: "Mit wird ganz schlecht, wenn ich daran denke, dass ich Menschen geschädigt habe." Unklar ist, inwieweit die Angeklagte für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden kann. Laut Anklageschrift ist die Frau möglicherweise nur bedingt schuldfähig, da sie zur Tatzeit unter einer schweren Depression mit psychotischen Zuständen gelitten haben soll. Die 60-Jährige war nach ihrer Festnahme im Oktober 2014 vorübergehend in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Nähnadel in Fleischpackung

"Ich habe mich schon lange mit Lebensmitteln und Umweltschutz befasst und damit, was in unseren Nahrungsmitteln drin ist", sagt die Frau vor Gericht. Im Laufe der Zeit habe sie sich in das Thema regelrecht verrannt. "Ich wollte, dass die Menschen auf das Thema aufmerksam werden und darüber nachdenken." Deshalb nahm sie irgendwann im Oktober 2013 ein Nadelkissen aus ihrem Nähkasten, ging in einen Supermarkt im ostholsteinischen Eutin und steckte dort eine Nähnadel in eine Fleischpackung in der Kühltruhe des Marktes.

Fast ein Jahr lang präparierte sie auf diese Weise Faschiertes und andere Fleischwaren in verschiedenen Supermärkten in Eutin und Umgebung. Ein Zeuge fand eine Nadel, als er ein Schweinefilet durchschnitt, ein anderer, als er in eine Grillwurst biss. "Ich hatte abgepackte Rostbratwürsten für meine zweijährige Enkelin gekauft, weil sie die so gerne mag. Als ich die Würstchen für die Zubereitung auf einen Spieß steckte, entdeckte ich in der Wurst eine Stopfnadel", sagte eine 56-jährige Frau aus Bad Malente im Zeugenstand.

Zwei Verletzte

Insgesamt 26 Fälle von gemeingefährlicher Vergiftung und gefährlicher Körperverletzung wirft die Staatsanwaltschaft der Angeklagten vor. Doch nur zwei Zeugen wurden leicht verletzt. Eine 30-jährige Frau verletzte sich bei der Zubereitung von Faschiertem leicht an der Hand, als sie in eine abgebrochene Kanüle fasste. Ein junges Mädchen stach sich eine Nadel in den Gaumen, als sie bei ihrer Mutter in einen Hamburger mit präpariertem Fleisch biss. (APA, 4.5.2015)

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