Burundi: Polizei erschießt zwei Demonstranten

4. Mai 2015, 16:41
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Proteste gegen Staatschef Nkurunziza dauern an

Bujumbura - Im ostafrikanischen Land Burundi ist die Polizei am Montag erneut gewaltsam gegen Gegner eines dritten Mandats für Staatschef Pierre Nkurunziza vorgegangen. Wie ein Menschenrechtsaktivist mitteilte, wurden dabei in der Hauptstadt Bujumbura mindestens zwei Demonstranten durch Polizeischüsse getötet.

Journalisten und andere Augenzeugen berichteten, die Polizei habe scharfe Munition, Tränengas und Blendgranaten eingesetzt. Der Menschenrechtsaktivist Pierre Claver Mbonimpa sagte NachrichtenagenturAFP, außer den beiden Toten gebe es "viele, viele Verletzte".

AFP-Reporter sahen in zwei Stadtteilen acht Demonstranten mit Schussverletzungen und zwei durch Steinwürfe verletzte Polizisten. Zeugen berichteten, dass in anderen Vierteln weitere Demonstranten von Polizeikugeln getroffen wurden.

Die Proteste gegen Nkurunziza hatten vor gut einer Woche begonnen. Sie wurden nach einem Verbot der Regierung über das Wochenende für zwei Tage ausgesetzt und am Montag fortgeführt. Bei den Unruhen gab es bisher elf Tote - acht Gegner des Präsidenten, zwei Polizisten und einen Soldaten.

Die Opposition in Burundi stemmt sich gegen eine dritte Kandidatur Nkurunzizas für das Präsidentenamt. Seine Partei CNDD-FDD (Conseil National Pour la Defense de la Democratie - Forces pour la Defense de la Democratie) hatte den Staatschef offiziell zu ihrem Kandidaten für die Präsidentschaftswahl am 26. Juni gekürt. Die Verfassung erlaubt allerdings nur zwei Amtszeiten, weshalb die Opposition die Bewerbung Nkurunzizas um ein drittes Mandat als illegal betrachtet.

Der Staatschef und seine Partei vertreten hingegen die Ansicht, dass die erste Amtszeit der Jahre 2005 bis 2010 nicht unter die Regelung fällt, weil Nkurunziza damals vom Parlament gewählt wurde und nicht direkt vom Volk. Das Lager des Präsidenten hat deshalb das Verfassungsgericht angerufen. Dessen Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet. Die Demonstranten werfen dem Gericht vor, vom Staatsapparat abhängig und nicht neutral zu sein. (APA, 4.5.2015)

  • Demonstranten gehen in Deckung.
    foto: ap/delay

    Demonstranten gehen in Deckung.

  • Polizeieinsatz gegen Protestierende in Bujumbura
    foto: ap/jerome delay

    Polizeieinsatz gegen Protestierende in Bujumbura

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