"New York Times" steht vor einer Million Digital-Abonnenten

4. Mai 2015, 14:12
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Newspaper Congress in Wien - "Mobile first" als zentraler Trend - ORF-Chef Wrabetz forderte von EU "Ende der asymmetrischen Regulierung zulasten europäischer Medien"

Wien - Die "New York Times" will dieses Jahr eine Million Digital-Abonnenten erreichen. "In den nächsten Monaten könnte es damit klappen, das wäre ein Meilenstein", berichteten die "New York Times"-Manager Andrew Phelps und Adam Ellick am Montag bei der Präsentation des viel zitierten Innovationsreports der "New York Times" beim European Newspaper Congress in Wien.

Der ursprünglich nur für die Herausgeber konzipierte Report, der Aufschluss über die Digitalstrategie sowie aus dem digitalen Umbruch resultierenden Probleme der renommierten Tageszeitung gibt, wurde inzwischen weltweit zwei Millionen Mal herunter geladen. Es gebe "kein Patentrezept, um die Leserzahlen zu steigern", meinte Senior Product Manager Phelps zu den Erkenntnissen der "New York Times"-Vordenker, zentraler Trend sei aber ganz klar der mobile Konsum von Nachrichten.

Mobile Nutzung verdoppelt

So seien die klassischen Homepage-Zugriffe bei der "New York Times" in den vergangenen Jahren um die Hälfte zurückgegangen, die mobile Nutzung habe sich im Gegenzug mehr als verdoppelt. "60 Prozent unserer User kommen von mobilen Endgeräten", so Phelps. Was das konkrete User-Verhalten betrifft, sei man in vielen Bereichen noch "im Blindflug unterwegs", berichtete Senior Video Korrespondent Ellick.

Wie berichtet generieren bereits 39 der wichtigsten 50 US-Digitalmedien mehr Zugriffe von mobilen Endgeräten als von Desktop-PCs.

"Ein-Satz-Geschichten"

Es gehe darum, herauszufinden, was der Leser will, bevor der Leser selbst es weiß. "Unsere Geschichten müssen das Publikum finden." Die "Times" reagiere darauf mit neuen Formen des Storytellings, der innovativen multimedialen Aufbereitung von Inhalten - von der Kurzform bis zur langen Hintergrundgeschichte - sowie mit speziellem Kunden-Support. Für die "New York Times"-App der neuen Apple-Watch habe man etwa "Ein-Satz-Geschichten" entwickelt. "Geschichten, die aus einem Satz bestehen - kurze, knackige Storys, denn wer zu lange auf der Apple-Watch liest, dem schläft der Arm ein", so Phelps. Nachsatz: "Das ist möglicherweise die Zukunft des Journalismus."

"Parasit" Google

Newspaper Congress-Veranstalter und Medienfachverleger Johann Oberauer nutzte seine Rede für einen Rundumschlag gegen den Internet-Giganten Google. Es sei zwar ein "bisschen billig", Google die Schuld am digitalen Umbruch zu geben, der Suchmaschinenbetreiber werde aber von vielen in der Medienbranche als "Parasit" wahrgenommen. "Google will die digitale Weltherrschaft und kennt nur ein Ziel: Google selbst." ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz forderte von der Europäischen Union angesichts der Dominanz der globalen Internet-Player ein "Ende der asymmetrischen Regulierung zulasten europäischer Medien". (APA, red, 4.5.2015)

  • Die "New York Times" setzt seit dem Jahr 2011 auf eine Paywall. 2015 soll die Marke von einer Million Digital-Abonnenten geknackt werden.
    foto: reuters/mcdermid

    Die "New York Times" setzt seit dem Jahr 2011 auf eine Paywall. 2015 soll die Marke von einer Million Digital-Abonnenten geknackt werden.

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