"Solidarität? Nur im Hinblick aufs eigene Geldbörsel"

Interview4. Mai 2015, 17:07
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Regionalligist Austria Salzburg kämpft sich durch den Instanzenzug, will die Bundesliga-Lizenz. Obmann Walter Windischbauer ist optimistisch, die Salzburger Fußballfamilie nimmt er zu Kenntnis

Wien/Salzburg - Austria Salzburg steht sportlich vor dem Aufstieg in die Erste Liga, sechs Spieltage vor Saisonende hält der Tabellenführer aus der Regionalliga West bei sechs Punkten Vorsprung auf Wattens. Die Bundesligalizenz wurde den Violetten aber in erster Instanz verwehrt.

Es fehlt ein bundesligataugliches Stadion, der geplante Umbau im Austria-Stadion in Salzburg-Maxglan wurde nicht rechtzeitig zur Lizenzvergabe fertig. Schwanenstadt soll als Ersatzspielort einspringen, auch für Spitzenspiele, zu denen mehr als 2000 Zuschauer antanzen.

derStandard.at: Die Lizenz wurde der Austria verweigert, hat der Verein seine Hausaufgaben nicht erledigt?

Windischbauer: Wir haben alles getan, was in unserer Macht steht. Ich bin jetzt 57 Jahre alt und bringe langsam die Gnade der Geduld mit. Ich bin davon überzeugt, dass sich dieser mit Dornen gepflasterte Weg gelohnt haben wird.

derStandard.at: Für die Lizenz braucht die Austria bis zum 11. Mai aber ein bundesligataugliches Stadion. Wird das noch etwas mit der Ausweichstätte Schwanenstadt?

Windischbauer: Wir brauchen einen beträchtlichen fünfstelligen Eurobetrag für die Stadioninfrastruktur. Allein das Aufrüsten des Flutlichtes kostet 25.000 Euro. Ich bin aber sehr optimistisch, war gestern vor Ort. Die Zimmererarbeiten am Kameraturm sollten wir auch in dieser Woche fertig bekommen. Unsere Fans haben im Rahmen einer Spendenaktion bereits 15.000 Euro gesammelt.

derStandard.at: Warum ist der Umbau der Heimstätte in Maxglan nicht rechtzeitig zur Lizenzvergabe fertig geworden?

Windischbauer: Nach dem Gemeinderats-Beschluss im September gab es Verzögerungen bei Bewilligungen. Beispielweise für die Genehmigung des Landes für den Flächenumwidmungsplan. Wir hatten erst nach Ostern alle Konzessionen beisammen, waren auf andere angewiesen.

derStandard.at: Wann wird die angestammte Heimstätte also tatsächlich fertig?

Windischbauer: Bis zum Start der kommenden Saison in der Ersten Liga (am 24. Juli, Anm.) wird alles fertig sein.

derStandard.at: In Salzburg gibt es auch Kritik, etwa von den Neos. Nachdem die Stadt eine Million Euro in den Ausbau in Maxglan gesteckt hat, soll nicht auch noch Steuergeld nach Schwanenstadt wandern. Kommt der Aufstieg in die Bundesliga zu teuer?

Windischbauer: Den Neos geht es nur darum, politisches Kleingeld zu wechseln. Bei einem Protest gegen den Ausbau von Maxglan kamen gezählte sieben Leute. Wir haben in der Nachbarschaft das Stadionthema ausdiskutiert, das muss man auch politisch zur Kenntnis nehmen. Das Argument, dass Steuergeld nach Schwanenstadt fließt, entbehrt jeglicher Grundlage.

derStandard.at: Warum ist es mit der naheliegenden Lösung für eine Ausweichstätte, sprich Red-Bull-Arena oder Grödig, nichts geworden?

Windischbauer: Wir haben von beiden Vereinen eine Absage erhalten. Mit der Begründung, dass die Stadien jeweils von Red Bull, Grödig und Liefering als Ersatzort genützt werden. Das verwundert mich, weil seinerzeit 50 Millionen Euro Steuergeld ins EM-Stadion geflossen sind und die Red Bull-Filiale Liefering nicht als zweiter Verein in Wals-Siezenheim angedacht war. Dass im Einklang zwischen Grödig und Red Bull ein Ausweichstadion für die Austria verhindert wird, ist traurig. Aber wir nehmen es zur Kenntnis.

derStandard.at: Macht Sie das wütend?

Windischbauer: Ich habe meine Lehren daraus gezogen. So etwas wie Solidarität gibt es im Salzburger Fußball nur im Hinblick auf das eigene Geldbörsel.

derStandard.at: Was passiert, wenn Austria Salzburg die Lizenz nicht bekommt?

Windischbauer: Daran denken wir derzeit absolut nicht. (Florian Vetter, derStandard.at, 4.5.2015)

  • Will bald auf ein"furchtbar arbeitsreiches" Jahr glücklich zurückschauen: Austria Salzburgs Obmann Walter Windischbauer.
    foto: pressefoto austria/thomas schernthanner

    Will bald auf ein"furchtbar arbeitsreiches" Jahr glücklich zurückschauen: Austria Salzburgs Obmann Walter Windischbauer.

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