Schlaganfall-Kongress in Wien: Aufregende Zeiten für Neurologen

4. Mai 2015, 12:20
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Die Katheter-Behandlung könnte zu ähnlichen Erfolgen wie bei Herzinfarkten führen

Kommende Woche - vom 13. bis zum 15. Mai - findet in Wien die "European Stroke Conference" (ESC) mit rund 3.500 Spezialisten statt. Der Kongress ist ein Expertentreffen in buchstäblich aufregenden Zeiten für die Neurologen. Neue Katheterverfahren dürften nämlich derzeit einen Umbruch in der Behandlung des akuten Schlaganfalls einläuten.

"Im Vordergrund steht der Austausch von Ideen und Know-how zwischen erfahrenen Klinikern unterschiedlichster Disziplinen, Wissenschaftern aus experimentellen und klinischen Forschergruppen sowie Nachwuchsforschern aus der ganzen Welt", sagt Tagungspräsident Michael Hennerici, einer der Gründer der "European Stroke Conference", die seit 1990 mit Jahreskongressen in ganz Europa stattfindet.

Mit der Vorstellung von Innovationen in der Schlaganfallbehandlung bietet die ESC ein Forum interdisziplinärer Forschung und klinischer Zusammenarbeit der verschiedenen medizinischen Bereiche, die sich mit dem Schlaganfall befassen - so etwa Neurologie, Innere Medizin, Intensivmedizin und Rehabilitation. Die österreichische Neurologengesellschaft (ÖNG) hat erst Ende März auf eine neue Möglichkeit zur Beseitigung von Blutgerinnseln nach einem Schlaganfall per Katheter hingewiesen.

Stroke Units

In den vergangenen Jahren war das beste Mittel zur akuten Therapie die Gabe eines Medikaments (rt-PA) zur Thrombolyse. In einem engen Zeitfenster von bis zu vier Stunden nach Auftreten eines Schlaganfalls ist es dadurch möglich, das in einem Gehirngefäß aufgetretene Blutgerinnsel aufzulösen. In Österreich erhalten 18 Prozent der Patienten, die auf eine 'Stroke Unit' kommen, diese Thrombolyse. Das ist ein Wert, der sonst weltweit nicht erreicht wird", sagte die künftige Präsidentin der Neurologen-Vereinigung, Elisabeth Fertl, im vergangenen Jahr.

Jetzt deutet sich in manchen Bereichen eine ähnliche Entwicklung wie ehemals beim Herzinfarkt an. Am 12. März sind im "New England Journal of Medicine" zwei Studien zur Katheter-Schlaganfallbehandlung veröffentlicht worden. Beide waren wegen des sich abzeichnenden Erfolges vorzeitig abgebrochen worden.

Mayank Goyal (University of Calgary/Kanada) und dessen internationale Co-Autoren von 22 Zentren weltweit wiesen beispielsweise von insgesamt 316 Patienten 238 Betroffene einer Thrombolysetherapie zu. 120 von ihnen bekamen zusätzlich eine Katheterbehandlung, die möglichst zur Beseitigung des Blutgerinnsels über ein durch die Leistenarterie ins Gehirn eingeführtes System führen sollte.

Verringerte Mortalität

Nach 90 Tagen konnten 53 Prozent der Patienten unabhängig leben, in der Thrombolyse-Vergleichsgruppe waren es 29,3 Prozent. Die Mortalität verringerte sich von 19 auf 10,4 Prozent. Die Rate von Gehirnblutungen war mit 2,7 (Thrombolyse allein) bzw. 3,6 Prozent (Katheter) etwa gleich hoch. Ganz ähnliche Ergebnisse zeigte die zweite im "New England Journal of Medicine" publizierte Studie von Bruce Campbell (Royal Melbourne Hospital/Australien).

Die Vorbedingung für solche Erfolge sind - wie auch schon bisher in der Akuttherapie von Schlaganfallpatienten - der frühe Verdacht auf einen Schlaganfall, das sofortige Rufen eines Notarztwagens und der schnelle Transport in eine spezialisierte Schlaganfallabteilung (Stroke Unit). Darauf folgen 24-Stunden-Verfügbarkeit modernster bildgebender Verfahren und speziell für solche Interventionen ausgebildete Radiologen, Neurologen oder Neurochirurgen. (APA, derStandard.at, 4.5.2015)

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