Der letzte Slum in Seouls glamourösem Gangnam-Distrikt

Ansichtssache4. Mai 2015, 13:42
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Im Bezirksteil Guryong soll das letzte Armenviertel der südkoreanischen Hauptstadt gewälzt werden

Gangnam, das ist außerhalb Südkoreas das Schlagwort für die eine beispiellose musikalische Erscheinung des Internetzeitalters. Als K-Pop-Star Psy im Juli 2012 "Gangnam Style" veröffentlichte, war es nur eine Auskopplung seines sechsten Studioalbums. Das Youtube-Video geriet zum viralen Hit, wie es heute heißt, und wurde bisher 2,3 Milliarden Mal abgespielt, so oft wie sonst keines.

Psy verrenkt sich in dem Video nicht nur zu seinem Phänomen gewordenen Modetanz, er macht sich in dem Lied über die neureichen Hipster und die Möchtegern-Elite lustig, die sich in den vergangenen Jahren im Bezirk Gangnam in Südkoreas Hauptstadt Seoul niederließen.

Wohnflächen kosten "südlich des Flusses", wie der Bezirk übersetzt heißt, mit rund 10.000 Euro pro Quadratmeter ähnlich viel wie in Manhattan und fast das Vierfache des südkoreanischen Landesschnitts. Gangnam ist nicht nur das nationale Herzstück im Bildungssektor, sondern gibt den restlichen 24 "Gu" genannten Stadtbezirken Seouls auch den Takt in vielen Geschäftsbranchen vor, bei IT, Medien, Unterhaltung. Und natürlich beim Luxusshopping.

So nah die Skyline, so fern der Reichtum

Doch das war nicht immer so. Noch in den 1970er-Jahren galt Gangnam als heruntergekommenes Schlusslicht in der städtischen Entwicklung, eine Trabantenstadt mit traurigen Hochhauskomplexen inmitten von Feldern und provisorischen Armensiedlungen. Die meisten Slums wurden während der Wirtschaftswunderzeit nach und nach obsolet und also plattgemacht.

Nun soll nach jahrelangen Planungen auch der letzte Slum im Stadtteil Guryong gewälzt werden. Im Dezember bestimmte die Bezirksverwaltung von Gangnam, dass im Sommer die Bagger anrollen sollen und die Architekten mit ihren Entwürfen für neue Gebäude. Darunter sollen auch günstige Wohnhäuser für die derzeitigen 2.000 Bewohner der Siedlung sein, die fast ausnahmslos von der rund 170 Euro hohen Grundsicherung leben.

Bevor es soweit ist, wollte Reuters-Fotograf Kim Hong-Ji den Status der Siedlung festhalten. Er traf auf einen Ort voller gefundener Baumaterialen, streunender Hunde und Müllhalden. Ein Ort, wo provisorisch an das Stromnetz angeschlossene Behausungen zumindest abends beleuchtet werden können, während unweit Gangnams mondäne Skyline vom fernen Reichtum erzählt. (Michael Matzenberger, derStandard.at, 4.5.2015)

foto: reuters/kim hong-ji
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