John McAfee warnt: App-Entwickler beobachten Mädchen beim Duschen

5. Mai 2015, 11:08
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Der Internetpionier hat seine Flucht beendet und will für mehr Privatsphäre bei Nutzern sorgen

John McAfee weiß, wie es ist, sein Privatleben offengelegt zu haben: Jahrelang protzte der Antiviren-Pionier selbst mit seinem Reichtum und inszenierte sich als Playboy unter den Software-Herstellern. Junge Frauen, Waffen, exotische Tiere: McAfee posierte mit allem, was in seinen Augen für Neid sorgen könnte. Dann wendete sich das Blatt – Drogenfahnder stürmten McAfees Anwesen in Belize, später wurde er verdächtigt, seinen Nachbarn erschossen zu haben. Der IT-Entrepreneur, der seine Firma längst verkauft hatte, flüchtete aus Mittelamerika.

Berechtigungen als Krux

Jetzt scheint McAfee wieder etwas Ruhe gefunden zu haben: Im beschaulichen Lexington, einem 8.000-Einwohner-Ort in Tennessee, arbeitet er an neuen Produkten. McAfee will nun für mehr Datenschutz kämpfen. Er glaubt, dass die (legale) Ausspähung, etwa durch Berechtigungen von Smartphone-Apps, Virenprogrammen als Bedrohung längst den Rang abgelaufen hat. Schon vor den NSA-Enthüllungen durch Edward Snowden warnte McAfee vor dystopischen Zukunftsszenarien. Jetzt sieht er sich mehr als bestätigt.

Frauen ausspioniert

"Denk mal darüber nach", so McAfee zu einem Reporter des Guardian: "Es gibt wasserdichte Smartphones. Junge Teenager schreiben regelmäßig SMS in der Dusche. App-Entwickler sind meistens nicht in einem Konzern wie IBM tätig, wo es interne Kontrollen gibt. Sie wollen die Berechtigung, die Handykamera zu aktivieren oder SMS zu lesen. Glaub mir: Während wir sprechen, spionieren diese Leute junge Frauen aus. Ich weiß, dass das gerade passiert."

Große Unbekannte

Laut McAfee seien Gaming-Apps die größte Gefahr, da sie von hunderten Millionen Menschen genutzt werden, aber nur wenige Entwickler dahinterstecken. Oft wisse man nicht einmal, wer die Leute seien, denen man "exzessive Berechtigungen" erlaube, so McAfee. Die Apple Watch hält er für einen "Alptraum", ebenso das Internet der Dinge. Mit seinem neuen Unternehmen "Future Tense Central" will McAfee nun Apps entwickeln, die andere Anwendungen und ihre Berechtigungen kontrollieren. Außerdem tritt McAfee als Experte bei Fox News auf und unterstützt junge Start-Ups.

"Running in the background"

Offenbar habe sich McAfee tatsächlich niedergelassen und die grotesken Ereignisse in Mittelamerika hinter sich gelassen, so der Guardian. Die werden momentan übrigens gerade verfilmt: "Running in the Background" werde der Streifen heißen, der "in naher Zukunft" ins Kino kommen soll. Bis dahin will McAfee auch mit seinen neuen Produkten durchstarten. Denn: "Die meisten Menschen verstehen nicht, was Privatsphäre heißt", so McAfee – er hingegen schon. (fsc, 5.5.2015)

  • Der Antiviren-Pionieren fiel in den vergangenen Jahren durch seine Exzentrik auf
    foto: screenshot

    Der Antiviren-Pionieren fiel in den vergangenen Jahren durch seine Exzentrik auf

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