"Boxkampf des Jahrhunderts": Periscope und Co. als neue Waffe der PayTV-Piraten

4. Mai 2015, 10:30
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Ausfälle bei Bezahlsendern - tausende Nutzer sahen Mayweather gegen Pacquiao auf illegalem Wege

Der Kampf zwischen Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao war angekündigt als "Kampf des Jahrhunderts". Zwölf Runden lang bearbeiteten sich beide Kämpfer auf zumeist unspektakuläre Weise, ehe das Schiedsrichter-Trio Mayweather zum Sieger nach Punkten kürte. Zusätzlich zu seinen anderen Titeln ist er nun auch WBO-Champion im Weltergewicht.

Der Hype um den Kampf ließ bei Veranstalter und Pay-per-View-Sendern die Kasse klingeln. Zwischen 3.500 und 250.000 Dollar mussten jene auf den Tisch legen, die live im MGM Grand in Las Vegas dabei sein wollten. Wer im Wohnzimmer per Liveübertragung mitfiebern wollte, musste 90 bzw. 100 Dollar (HD-Qualität) zahlen.

Keine offizielle Online-Übertragung

Wer online dabei sein sollte, hatte zumindest in den USA keine legale Möglichkeit, dem Treiben im Ring zuzusehen. Ganz anders sah dies allerdings aus, was illegale Angebote angeht. Wenngleich die Rechteinhaber rigoros und erfolgreich gegen viele Seiten vorgingen, die schon vorab Streams beworben hatten, konnten sie nichts gegen jene User unternehmen, die das Ereignis mit ihrem Handy mitfilmten und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Während die offiziellen Übertragungen mit einigen Ausfällen zu kämpfen hatten, schalteten sich tausende Nutzer bei Liveübertragungen von Periscope und Meerkat zu. Großteils filmten die User dabei ihre Fernseher ab, doch zumindest auch ein Streamer schickte die Livebilder direkt aus der Halle, berichtet The Verge.

Miese Qualität, einfache Nutzung

Freilich: Die Qualität der handybasierten Online-Übertragung war meist sehr bescheiden. Dafür müssen Zuseher nichts anderes tun, als den Stream aufzurufen und weder Geld für PayTV zahlen oder sich einen VPN-Tunnel einrichten, um ein ausländisches Angebot in Anspruch zu nehmen.

Die Mühelosigkeit für Streamer und Zuseher stellt in solchen Fällen für die Rechteinhaber freilich ein Problem dar. Da Periscope und Meerkat darauf bauen, dass Nutzer etwaige Verstöße melden, haben sie keine direkte Handhabe gegen das Treiben. Sie mussten sich damit begnügen, Aufforderungen an die Dienstbetreiber zu schicken, weiß CNet.

Seitenhieb des Twitter-Chefs

Zumindest bei Twitter, das vor einiger Zeit Periscope übernommen hat, scheint man die Problematik recht gelassen zu sehen. Dick Costolo, Chef des sozialen Netzwerks, postete zu den illegalen Box-Streams lediglich: "Und der Sieger ist ...Periscope!". (gpi, 04.05.2015)


  • Tausende wohnten dem Boxspektakel über Handy-Streams bei. Für die PayTV-Sender war der Kampf trotzdem ein gutes Geschäft.
    foto: apa

    Tausende wohnten dem Boxspektakel über Handy-Streams bei. Für die PayTV-Sender war der Kampf trotzdem ein gutes Geschäft.

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