Frag den Papa vom Varoufakis

Blog4. Mai 2015, 09:47
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Mama, Papa, Kindergärntner: Wenn man nicht mehr weiter weiß, zaubert man einen lustigen Interviewpartner aus dem Hut

Niemand kennt einen so gut, wie Mama und Papa. Das stimmt vielleicht, wenn man fünf Jahre alt ist, scheint aber auch wurscht zu sein. Denn es ist offenbar gerade in, besonders absurde Ansprechpartner zu suchen, um in Politik oder Wirtschaft handelnde Personen zu psychologisieren.

Jüngstes Beispiel: Yanis Varoufakis Papa. Er wird von einer griechischen Zeitung zu seinem Sohnemann befragt, Die Welt hat es zusammengefasst. Ein schwieriges Kind sei er gewesen, der kleine Yanis. Und ein bisschen stur. Aber jetzt sind die anderen Finanzminister neidisch auf den Yanis, sagt der 90-jährige Vater Giorgos. Ja, ja. Wen das interessiert? Keine Ahnung. Was das über den Finanzminister Varoufakis aussagt? Wahrscheinlich nichts, aber was soll’s.

Schon vor einigen Wochen zeichnete sich Die Zeit mit einem Interview mit einem Professor von Varoufakis aus. Dieser "war mal ein Student" von Roy Bailey, heißt es da lapidar im Vorspann. Das Interview besticht dann vor allem darin, dass Bailey in jeder seiner Antworten seinen absoluten Widerwillen deutlich macht. Gelernt haben wir, dass Bailey keinen Kontakt zu Varoufakis hat, dass dieser direkt und gerade heraus war, und dass der Interviewer in Essex studiert hat. Auch gut.

Eine andere Baustelle, aber ein ähnlich zweifelhafter Versuch der Einordnung, war auch das Interview der Morgenpost mit der Ex-Frau des deutschen Gewerkschafts-Chefs Claus Weselsky. Im Moment macht Weselsky wieder von sich reden, weil er die Lokführer einmal mehr zu einem langen Streik mobilisiert. Im November vergangenen Jahres durfte seine Ex-Frau erklären, dass der gute Mann ein "Diktator" sei und geizig. Gut, dass wir das jetzt wissen.

Wohin uns dieser Trend führt, ist absehbar: Frag‘ den Papa von Wolfgang Kulterer, wie das mit dem Taschengeld damals so geklappt hat. Frag die Kindergärtnerin von Ferdinand Piech, ob er sein Spielzeugauto gern geteilt hat. Und frag die Mama von der nächsten Chefin eines Großkonzerns, ab wann das Mädi brav aufs Topfi gegangen ist. (Daniela Rom, derStandard.at, 4.5.2015)

  • Yanis Varoufakis fragt sich vielleicht auch, was das soll.
    foto: reuters/charles platiau

    Yanis Varoufakis fragt sich vielleicht auch, was das soll.

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