Zusammenstöße bei Protesten äthiopischer Juden in Tel Aviv

3. Mai 2015, 21:36
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Netanyahu verspricht Hilfsprogramm

Jerusalem Nach Straßenschlachten zwischen äthiopischer Juden und der Polizei in Tel Aviv hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu der Minderheit ein spezielles Hilfsprogramm in Aussicht gestellt. Netanyahu traf sich am Montag mit Repräsentanten der äthiopischen Gemeinde.

In Israel leben nach Angaben des Statistikbüros mehr als 135.000 Juden mit äthiopischen Wurzeln. Viele von ihnen beklagen eine Benachteiligung in Beruf und Alltag sowie ständige Übergriffe durch die Polizei.

40 Festnahmen

In der Nacht auf Montag war eine Demonstration gegen Polizeigewalt und Diskriminierung in Tel Aviv eskaliert. Dutzende Menschen wurden verletzt und mehr als 40 Demonstranten festgenommen. Eine weitere Demonstration im Regierungsviertel in Jerusalem verlief am Montag friedlich. Aus Sorge vor neuer Gewalt hatte die Polizei ihre Präsenz in der Stadt deutlich verstärkt und zahlreiche Straßen gesperrt.

Tausende Demonstranten hatten sich am Sonntagnachmittag auf dem zentralen Rabin-Platz in Tel Aviv versammelt. Einige von ihnen lieferten sich dann stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei. Ein Auslöser der Demonstrationen war ein Video, das zeigt, wie Polizisten einen äthiopischstämmigen israelischen Soldaten misshandeln. Schon in den Tagen davor hatte es Proteste gegeben.

Netanyahu traf am Montag Repräsentanten der äthiopischen Gemeinde, unter ihnen auch den misshandelten Soldaten. Er kündigte an, seine neue Regierung wolle sich ihren Problemen intensiver widmen.

Nach dem Gewaltausbruch in Tel Aviv hatte Netanyahu in der Nacht auf Montag zur Ruhe aufgerufen. "Es ist Raum, um alle Vorwürfe zu untersuchen", sagte er, "aber es gibt keinen Raum für diese Art von Gewalt und Gesetzesbrüchen."

Wasserwerfer und Tränengas

Augenzeugen berichteten, die Polizei habe auf dem Rabin-Platz Wasserwerfer, Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten eingesetzt. Diese hätten die Sicherheitskräfte wiederum mit Steinen und Flaschen beworfen. Einige Demonstranten kippten ein Polizeiauto um. Im Stadtzentrum waren bis in die frühen Morgenstunden immer wieder laute Explosionen zu hören, Krankenwagen brachten Verletzte ins Krankenhaus. Über Tel Aviv kreisten stundenlang Polizeihubschrauber.

Die Demonstranten hatten zuvor die Autobahn zwischen Tel Aviv und Jerusalem sowie zentrale Straßen in der Küstenmetropole blockiert. Einige von ihnen legten sich auf die Straße. "Nicht schwarz, nicht weiß, wir sind alle Menschen", skandierten Teilnehmer des Protests.

Staatspräsident Reuven Rivlin räumte Fehler ein: "Wir haben Fehler gemacht", erklärte Rivlin am Montag. "Wir haben nicht genau genug hingesehen und nicht genau genug zugehört."

(APA, 3.5.2015)

  • Die Demonstranten blockierten die Stadtautobahn in Tel Aviv.
    foto: ap/bality

    Die Demonstranten blockierten die Stadtautobahn in Tel Aviv.

  • Medien berichteten unter Berufung auf die Organisatoren von rund 10.000 Teilnehmern, laut Polizei waren es 3.000.
    foto: ap/bality

    Medien berichteten unter Berufung auf die Organisatoren von rund 10.000 Teilnehmern, laut Polizei waren es 3.000.

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