Terrordrohung: Signal gegen Mutlosigkeit

Kommentar3. Mai 2015, 17:57
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Absagen von Veranstaltungen dienen vor allem dem Selbstschutz der Behörden

Deutsche Behörden arbeiten gewissenhaft und gehen kein Risiko ein. Erfahren sie von einer Bedrohung gegen eine Veranstaltung, dann wird sie abgesagt. So war das bei der Terrordrohung gegen den Braunschweiger Karneval im Februar und vergangenen Freitag beim traditionellen Radrennen rund um Frankfurt, in dessen Vorfeld ein Paar unter Terrorverdacht festgenommen wurde. Sicher ist sicher, sagt die Polizei; Hauptsache, alle bleiben gesund.

Doch diese Politik, die in Deutschland allmählich zur Routine wird, trägt kaum zur öffentlichen Sicherheit bei. Denn will man jedes Risiko vermeiden, muss jede Massenversammlung im Freien untersagt werden. Terroristen können immer zuschlagen, auch wenn keine Drohungen ausgesprochen oder Verdächtige gefasst werden. Im Gegenteil: Ist die Polizei einmal gewarnt, kann sie die Teilnehmer umso wirkungsvoller schützen.

Absagen dienen vor allem dem Selbstschutz der Behörden: Niemand soll danach behaupten können, sie hätten nicht alles unternommen, wenn doch jemand zu Schaden kommt. Doch damit erledigen sie das Geschäft der Terroristen, die das öffentliche Leben sabotieren wollen.

Mündige Bürger sollten selbst entscheiden, welches Risiko sie auf sich nehmen wollen. In den USA wurde nach dem Anschlag in Boston kein anderer Marathon abgesagt. Und in Frankfurt gingen unzählige Radler trotz Absage auf die Strecke - als Signal gegen Terror und Mutlosigkeit. (Eric Frey, DER STANDARD, 4.5.2015)

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