Menschenrechtler: Saudi-Arabien setzt im Jemen Streubomben ein

3. Mai 2015, 14:11
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Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition den Einsatz von Streumunition vor

Dubai - Die arabischen Staaten greifen einem Zeitungsbericht zufolge nun auch mit Bodentruppen in den Bürgerkrieg im Jemen ein. Am Sonntagmorgen sei ein erster Teil einer "arabischen Bodentruppe" im südjemenitischen Aden eingetroffen und habe sich in die Kämpfe gegen die Huthi-Rebellen eingeschaltet, berichtete die in der Hafenstadt erscheinende Zeitung "Al-Ghad" am Sonntag. Die von Saudi-Arabien geführte Koalition habe keine größere Offensive im Jemen eingeleitet, entgegnet ein Sprecher.

Seit Ende März bekämpft eine von Saudi-Arabien geführte Allianz sunnitischer Golf-Staaten die vom Iran unterstützten Huthis aus der Luft. Die Bodentruppen sollen die sogenannten Volkskomitees unterstützen, die an der Seite der jemenitischen Regierungstruppen gegen die Houthis kämpfen, wie ein Vertreter der Miliz erklärte. Saudi-Arabien bekämpft seit Ende März an der Spitze einer überwiegend sunnitischen Militärallianz die Rebellen der schiitischen Houthi-Miliz im Jemen. Bisher waren die Houthi-Stellungen nur aus der Luft angegriffen worden, Bodentruppen kamen nicht zum Einsatz. Vor einigen Tagen hatte das Außenministerium in Riad mitgeteilt, dass saudi-arabische Bodentruppen einen Houthi-Angriff an der Grenze zwischen beiden Ländern abgewehrt hätten.

Menschenrechtler: Saudi-Arabien setzt Streubomben ein

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition indes den Einsatz geächteter Streumunition im Jemen vorgeworfen. Fotos, ein Video und andere Indizien deuteten darauf hin, dass bei Luftangriffen auf Stellungen der Houthi-Miliz im Jemen Streubomben abgeworfen worden seien, erklärte HRW am Sonntag.

Die UNO warnte unterdessen vor einem vollständigen Zusammenbruch der Infrastruktur wegen des akuten Treibstoffmangels im Land.

Nach Angaben von HRW geht aus Satellitenbildern hervor, dass in der Provinz Saada, einer Hochburg der Houthis im Norden des Landes, Bombensplitter auf einer landwirtschaftlichen Fläche wenige hundert Meter von bewohntem Gebiet niedergegangen seien. Es handle sich vermutlich um Streumunition vom Typ CBU-105, die von den USA an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate geliefert worden sei.

Streubomben setzen Hunderte kleinerer Bomben frei. Viele Blindgänger explodieren erst Jahre später. Genau wie Landminen geht die Munition bei Berührung in die Luft - wer nicht sofort getötet wird, überlebt meist schwer verstümmelt. Nach einem von 116 Staaten unterzeichneten Vertrag aus dem Jahr 2008 ist Streumunition international verboten. Saudi-Arabien, die USA und der Jemen schlossen sich dem Abkommen jedoch bisher nicht an.

Saudi-Arabien bekämpft seit Wochen an der Spitze einer überwiegend sunnitischen Militärallianz die schiitischen Houthi-Rebellen im Jemen. Seit dem Beginn der Kämpfe Mitte März wurden mindestens 1.200 Menschen getötet und tausende weitere verletzt.

Am Sonntag wurde vor allem rund um die südliche Hafenstadt Aden gekämpft. Nach Abgaben eines Behördenvertreters setzt Saudi-Arabien dort nun auch erstmals Bodentruppen ein. Ein erste "begrenzte Anzahl" von Soldaten traf demnach am Sonntag in Aden ein. Sie sollen die sogenannten Volkskomitees unterstützen, die an der Seite der jemenitischen Regierungstruppen gegen die Houthis kämpfen, wie ein Vertreter der Miliz erklärte. Luftangriffe gab es nach Angaben von Rettungskräften in der Nacht auf Sonntag in der Hauptstadt Sanaa, im Osten und im Norden des Landes.

Mangel an Gesundheitsversorgung

Der UNO-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten im Jemen, Johannes van der Klaauw, klagte, in dem Land mangle es mittlerweile an Gesundheitsversorgung, Nahrungsmitteln und Wasser, weil wegen einer Seeblockade kein Treibstoff mehr ins Land gelassen wird. Wenn in den kommenden Tagen nichts getan werde, werde das Land "vollständig zum Stillstand kommen". Die Lage sei "äußert besorgniserregend".

Bei einer Dringlichkeitssitzung zur Lage im Jemen konnte sich der UNO-Sicherheitsrat am Freitag jedoch nicht auf eine gemeinsame Erklärung einigen. Russland hatte die Sitzung in New York beantragt und in einem Entwurf einen sofortigen Waffenstillstand oder zumindest Feuerpausen für humanitäre Hilfe gefordert. Ein UNO-Diplomat sagte, die 15 Ratsmitglieder seien sich einig gewesen, dass die humanitäre Lage im Jemen katastrophal und politische Gespräche zur Lösung des Konflikts notwendig seien. Sie bräuchten aber mehr Zeit, um sich auf einen gemeinsamen Text zu einigen. Der russische UNO-Botschafter Witali Tschurkin kritisierte die "erstaunliche Unentschlossenheit" des Gremiums angesichts der sich verschlimmernden Lage in dem Land. (APA/Reuters, 3.5.2015)

  • Ein im Konflikt zerstörtes Gebäude in Sanaía.
    foto: apa/yahya arhab

    Ein im Konflikt zerstörtes Gebäude in Sanaía.

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