Schweden einige Nummern zu groß

3. Mai 2015, 14:11
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Nach Erfolg gegen Schweiz gab es für Österreichs Eishockeyteam gegen neunfachen Champion beim 1:6 nichts zu holen

Prag – Österreichs Eishockey-Nationalmannschaft hat bei der WM in Prag ihr zweites Match klar verloren. Einen Tag nach der Sensation gegen die Schweiz musste sich die ÖEHV-Auswahl am Sonntagnachmittag dem Mitfavoriten Schweden mit 1:6 (0:3,0:3,1:0) geschlagen geben. Die Kulisse war erneut prächtig, 14.051 Zuschauer waren in die O2-Arena gekommen.

Filip Forsberg von den Nashville Predators (14., 29., 32.), Oscar Klefbom (19.), Anton Lander (20.) und Elias Lindholm (30.) schossen die Schweden zu einem deutlichen Erfolg, der aufgrund der Spielanteile auch noch höher hätte ausfallen können. 41:17 zugunsten Schwedens lautete das Torschussverhältnis.

Das Ehrentor für ein tapfer kämpfendes österreichisches Team gelang Dominique Heinrich im Schlussdrittel (54.). Immerhin: Der erneut fehlerlose Bernhard Starkbaum hielt nach seiner Einwechslung für Rene Swette sein Goal sauber. Die Schweden gefielen sich in der Schlussphase in kombinatorischem Glanz, ließen zum Glück für den Gegner die Zielstrebigkeit in den Hintergrund rutschen.

Schweden ist die Nummer eins der Weltrangliste und hat in den vergangenen 28 Jahren nur dreimal das WM-Halbfinale verpasst. Österreich konnte vor 68 Jahren (2:1 bei der WM in Prag 1947) zuletzt gegen die Skandinavier gewinnen, seitdem gab es ausschließlich Niederlagen. Mit 64 Spielern stellt Schweden die mit Abstand meisten europäischen Profis in der NHL, zwölf davon stehen im Kader von Teamchef Pär Märts.

Für Österreich geht es nach einer kurzen Pause am Dienstag (20.15/live ORF Sport +) mit dem wichtigen Spiel gegen Frankreich weiter, da sollte dann wieder Zählbares angestrebt werden.

Gegen die "Drei Kronen" lag das Team von Coach Daniel Ratushny, diesmal mit René Swette statt Bernhard Starkbaum im Tor und Daniel Woger anstelle von Manuel Ganahl im vierten Sturm, bereits nach dem ersten Drittel mit 0:3 zurück. Dabei hatte der Außenseiter Österreicher den Schwung aus dem Schweiz-Erlebnis mitgenommen und lieferte den Schweden zunächst ein offenes Spiel. Bei ihren wenigen Chancen zeigten sich die schwedischen NHL-Stars aber kaltblütig. Forsberg eröffnete den Torreigen (14.), kurz vor Drittelende schlugen Klefbom (19.) und Lander (20.) von den Edmonton Oilers innerhalb von 41 Sekunden zweimal zu.

Ab dem Mitteldrittel wurde der Klassenunterschied aber deutlich. Während die Österreicher ihre wenigen, aber hochkarätigen Chancen durch Thomas Raffl (29.) oder Manuel Geier (31.) vergaben, machten Forsberg und Lindholm (Carolina Hurricanes) alles richtig.

Nach dem sechsten Gegentreffer machte Swette Starkbaum Platz (32.), der mit einigen guten Paraden eine noch höhere Niederlage verhinderte. Die Schweden beherrschten das Geschehen ganz klar und kombinierten nach Belieben. Der österreichische Ehrentreffer durch Heinrich fiel insofern überraschend, wurde von den angereisten Fans aber natürlich nichtsdestotrotz bejubelt. (red, derStandard.at, 3.5.2015)

iihf worlds 2015

Eishockey-WM, Vorrunde in Prag, Gruppe A:

Österreich – Schweden 1:6 (0:3 0:3 1:0)
Prag, 14.051 Zuschauer.

Tore

1. Drittel
13:38 F. Forsberg
18:37 Klefbom
19:18 Lander

2. Drittel
28:22 F. Forsberg
29:13 Lindholm
31:14 F. Forsberg

3. Drittel
53:17 Heinrich

Strafminuten: 12 bzw. 6 plus 12, Disziplinarstrafe Rahimi

Österreich: Swette - Pallestrang, Heinrich; Peter, F. Iberer; Schumnig, Mühlstein; Mitterdorfer - Rotter, Hundertpfund, M. Geier; Herburger, M. Raffl, Lebler; Latusa, Komarek, Th. Raffl; Cijan/Woger, Fischer, N. Petrik;

Schweden: Nilsson - Ekman-Larsson, Klefbom; Klingberg, Kronwall; Rahimi, Ahnelov; Ekholm - F. Forsberg, L. Eriksson, Lander; Lindström, J. Ericsson, Möller; Hjalmarsson, Lindholm, Rask; Sjögren, Josefson, Lundqvist

Lineups im Detail

Stimmen

Daniel Ratushny (Teamchef Österreich): "Das ist schmerzvoll, aber keine Frage, sie sind ein Top-top-Team mit Top-top-Spielern. Wenn wir nicht auf unserem höchsten Level spielen, dann passiert so etwas. Wir müssen solche Spiele nützen, um besser zu werden, schneller und stärker."

Pär Märts (Teamchef Schweden): "Pflichtsiege sind immer schwierig. Die ersten 15 Minuten hätten auch anders verlaufen können, da hatten wir Glück. Die 25 Minuten danach waren exzellentes Eishockey."

Thomas Raffl (Kapitän Österreich): "Wir haben gewusst, wir spielen gegen eine ganz starke schwedische Mannschaft. Positiv ist, dass wir uns nach dem zweiten Drittel zusammengerafft haben und dann das dritte Drittel 1:0 gewonnen haben."

Dominique Heinrich (Torschütze Österreich): "Im ersten Drittel haben wir gut mitgespielt und hatten gute Chancen. Dann haben wir zwei, drei, vier Minuten nicht aufgepasst, das nützen die Schweden aus."

Bernhard Starkbaum (Torhüter Österreich): "Dass ich zu null gespielt habe, ist egal. Wir haben leider zu viele leichte Fehler gemacht. Niemand hat mit Punkten gegen Schweden gerechnet, das ist eine Topmannschaft."

Brian Lebler (Stürmer Österreich): "Es macht Spaß, gegen solch gute Spieler auf dem Eis zu stehen. Das war eine Erfahrung, aus der wir lernen. Phasenweise habe ich gedacht, dass wir nur zugeschaut haben, anstatt uns zu bewegen und zu spielen."

Michael Raffl (Stürmer Österreich): "Das letzte Drittel muss man mitnehmen, das haben wir uns auch vorgenommen, dass wir uns nicht aus der Halle schießen lassen. Eishockey ist ein Spiel, das von Fehlern lebt, und wenn man Fehler macht, wird man auf diesem Niveau schneller bestraft als irgendwo anders."

Staffan Kronwall (Kapitän Schweden): "Hut ab, die Österreicher haben das Spiel wirklich gut begonnen. Nach unserem ersten Tor haben wir das Kommando übernommen."

  • Österreichs Eishockeyteam stemmte sich in der O2-Arena zu Prag vergeblich der schwedischen Übermacht entgegen.
    foto: apa/epa/singer

    Österreichs Eishockeyteam stemmte sich in der O2-Arena zu Prag vergeblich der schwedischen Übermacht entgegen.

  • Etwas bitter verlief der Nachmittag für Goalie Rene Swette, der sechs Treffer hinnehmen musste. Drei davon gingen auf das Konto des gut aufgelegten Filip Forsberg.
    foto: reuters/cerny

    Etwas bitter verlief der Nachmittag für Goalie Rene Swette, der sechs Treffer hinnehmen musste. Drei davon gingen auf das Konto des gut aufgelegten Filip Forsberg.

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