Der Jahrhundertkampf, der keiner war

Ansichtssache3. Mai 2015, 06:51
282 Postings

Las Vegas - Floyd Mayweather bleibt der über alle Gewichtsklassen hinweg beste Boxer der Welt. Der 38 Jahre alte US-Amerikaner gewann in Las Vegas den zum "Boxkampf des Jahrhunderts" stilisierten WM-Kampf im Weltergewicht gegen Manny Pacquiao einstimmig nach Punkten und ist nun in der Klasse bis 66,67 kg Titelträger der Weltverbände WBC, WBO und WBA.

"Ich musste alles geben, um diesen Kampf zu gewinnen. Ich weiß jetzt, warum Manny Pacquiao so berüchtigt ist. Ich danke Gott für diesen Sieg", sagte Mayweather. Pacquiao meinte: "Ich dachte, dass ich diesen Kampf gewonnen habe, denn er hat zu wenig gemacht. Er war sicher nicht übermächtig stark."

Ein bezeichnendes Resume zog Ex-Schwergewichtsweltmeister Mike Tyson via Twitter: "Und darauf haben wir fünf Jahre gewartet." Ex-Champion Lennox Lewis schlug in die selbe Kerbe: "Wenn Du es nicht fangen kannst, kannst Du es nicht schlagen."

Einstimmiges Urteil

In der Tat agierte Mayweather teilweise passiv, die Punkterichter werteten den Fight mit 118:110, 116:112 und 116:112 dennoch eindeutig. Der US-Amerikaner blieb auch im 48. Profi-Kampf seiner Karriere ungeschlagen und erhielt eine Börse von 150 Millionen US-Dollar.

Der 36 Jahre alte Pacquiao kassierte im 64. Kampf seine sechste Niederlage und dürfte die besten Zeit als Profi-Boxer hinter sich haben. Der Filipino war in den USA 2006, 2008 und 2009 Boxer des Jahres und wurde als erster Kämpfer in sieben Gewichtsklassen Titelträger. Trösten konnte sich der "Pac-Man" mit einer Börse von 100 Millionen US-Dollar.

Der vier Zentimeter größere Favorit Mayweather hatte zu Beginn des Fights seine Reichweitenvorteile ausgespielt, setzte mit rechts in der ersten Runde einige Körpertreffer und dominierte zunächst. Pacquiao wurde erst nach dem ersten Abtasten aktiver, setzte Mayweather dann aber immer stärker unter Druck.

In Runde vier drängte Pacquiao seinen Kontrahenten an die Seile, landete einen klaren Treffer zum Kopf. Mayweather reagierte gereizt, übernahm wieder die Kontrolle. Der erfahrene Ringrichter Kenny Bayless ermahnte beide, den Kampf sauber zu halten. Lässig lächelte Mayweather die Attacken seines flinkeren, aber auch ungenauer schlagenden Gegners weg.

Im letzten Viertel nahm das Tempo des Kampfes deutlich ab. Vor der Schlussrunde umarmten sich beide, in der letzten Minute startete Pacquiao noch einmal einen Verzweiflungsangriff. Dann riss Mayweather schon kurz vor dem Schlussgong die Arme im Triumph nach oben.

Pacquiao nicht ganz fit

Nach eigener Aussage hat Pacquiao den Kampf in Las Vegas verletzt bestritten. Er habe sich vor einigen Wochen im Training eine Blessur an der rechten Schulter zugezogen. Pacquiaos Promoter Bob Arum gab an, dass seinem Schützling die Verwendung einer entzündungshemmenden Spritze vor Kampfbeginn seitens der Boxbehörde Nevadas (NSAC) untersagt worden war. Die Entscheidung habe den Ausgang des Kampfes beeinflusst, sagte Arum. Pacquiao habe den rechten Haken nicht so konstant schlagen können, da die Verletzung ihn behindert habe, ergänzte Trainer Freddie Roach.

NSAC-Präsident Francisco Aguilar sagte, dass es keinen Nachweis einer Verletzung gegeben habe. "Ich kann keine Entscheidung treffen, die darauf basiert, was die mir erzählen", so Aguilar.

Mayweather will Titel niederlegen

Mayweather ("Ich bin als Gewinner geboren und ich werde als Gewinner sterben. Ich bin jedem Boxer zehn Schritte voraus") wiederum überraschte mit der Aussage, in naher Zukunft seine Weltmeistertitel niederlegen zu wollen. "Es ist Zeit, dass andere Kämpfer um die Gürtel kämpfen. Ich bin nicht habgierig", sagte Mayweather. Mit der Aufgabe seiner Titel erspart er sich eine lästige Pflichtverteidigung noch im Sommer.

Seine Karriere will der Champion aber nicht beenden, er kündigte für September den nächsten Auftritt an. Er könnte mit dem 49. Sieg im 49. Profi-Kampf den Rekord des legendären Rocky Marciano einstellen. Der hatte zwischen 1947 und 1955 in ebensovielen Schwergewichtskämpfen triumphiert. (sid/APA/red, 3.5.2015)

Der Kampf in einer Ansichtssache:

Bild 1 von 21
foto: reuters/marcus
Share if you care.