Verdacht gegen mutmaßliches Islamisten-Paar aus Hessen erhärtet

3. Mai 2015, 13:19
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Festgenommenes Paar in U-Haft

Wiesbaden - Wenige Tage nach dem wohl im letzten Moment vereitelten Terroranschlag in Hessen erhärtet sich der Verdacht eines islamistischen Hintergrunds. Ermittler haben auf einem Computer des festgenommenen Ehepaars aus Oberursel bei Frankfurt Gewaltvideos gefunden.

Diese seien dem islamistischen Extremismus zuzuordnen, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes in Wiesbaden am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Der Computer sei in der Wohnung der türkischstämmigen Eheleute sichergestellt worden.

Die Polizei fand dort nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS)" auch schriftliche Unterlagen zum Bau von Bomben. Dem Bericht zufolge soll der Verdächtige Verbindungen zu Syrien-Rückkehrern und anderen sogenannten Gefährdern in der islamistischen Szene gehabt haben. Obwohl die hessischen Behörden den Mann als feste Größe seit 2009 im Blick gehabt hätten, sei er dem Bundesamt für Verfassungsschutz unbekannt gewesen, berichtete die Zeitung.

Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" hatte der Mann an der Universität Frankfurt gemeinsam mit einem Al-Kaida-Unterstützer Chemie studiert. Der Mitstudent sei 2011 wegen Werbung um Mitglieder oder Unterstützer für eine terroristische Vereinigung im Ausland zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Suche nach Mittätern

Das Paar war in der Nacht zum Donnerstag von einem Spezialeinsatzkommando in Oberursel im Taunus festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. In der Wohnung fanden Ermittler eine Rohrbombe, Munition, Teile eines Sturmgewehrs G3 und eine Übungsgranate für eine Panzerfaust. Vermutlich hatten die beiden das für den 1. Mai geplante Radrennen "Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn" im Visier, das dann kurzfristig abgesagt wurde.

Nach Angaben des LKA-Sprechers werden derzeit sichergestellte Papiere und elektronische Datenträger aus der Wohnung ausgewertet. Dabei werde vor allem nach Hinweisen zu möglichen Mittätern gesucht. "Das wird noch Tage oder sogar Wochen dauern."

Die Suche entlang der Rennstrecke ist inzwischen beendet. Dort hatten Beamte den Angaben zufolge nach weiteren Bomben Ausschau gehalten, aber nichts gefunden.

Der 35-jährige Deutschtürke und die 34 Jahre alte Türkin werden der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der Vorbereitung einer Explosion verdächtigt. Zu möglichen Komplizen des Duos sagte die Leiterin des "Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam" (FFGI), Susanne Schröter, der Deutschen Presse-Agentur: "Jeder kann eine Bombe bauen, aber in der Regel ist es schon so, dass salafistische Täter ein Umfeld haben." In diesem Umfeld radikalisierten sie sich und besprächen ihre Gedanken.

Derweil entspannt sich eine politische Debatte. Ein Moscheeverein in Wiesbaden forderte mehr gesellschaftliche Teilhabe für Muslime, um ein Abdriften in radikale Netze zu verhindern. "Die Politik darf nicht erst reagieren, wenn es zu spät ist", teilte der Islamische Kulturverein Imam Hossein mit. Wer erfolgreich in die Gesellschaft eingebunden sei, wolle sie schützen und nicht schaden.

Dagegen forderte der Frankfurter Kreisverband der Alternative für Deutschland (AfD) mehr "Durchgriffsrechte" für die Behörden. Bereits am Freitag hatte die Frankfurter CDU ein Verbot aller salafistischen Aktivitäten in Deutschland verlangt. (APA, 3.5.2015)

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