Schule in Frankreich untersagt zu langen Rock

1. Mai 2015, 17:56
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Eine Mittelschule hat eine 15-jährige Muslimin ausgeschlossen, weil sie in einem langen schwarzen Rock zum Unterricht kam

Wird in Frankreich nach dem islamischen Kopftuch das Tragen knöchellanger Röcke verboten? Diese Frage stellen viele Muslime im Internet, nachdem die Mittelschule Léo Lagrange in der nordfranzösischen Provinzstadt Charleville-Mézières eine Schülerin vom Schulgelände verbannt hat. "Das Gesetz über die Laizität an der Schule verbietet das Tragen von Zeichen oder Kleidern, mit denen die Schüler ihre religiöse Zugehörigkeit ostentativ zur Schau stellen", teilte die Direktion den Eltern des betroffenen Mädchens mit. Die Betonung liegt auf dem Wort "ostentativ": Wer in Frankreich religiöse Symbole wie Kreuze, Kippas oder Kopftücher auf klar sichtbare oder gar demonstrative Weise trägt, kann von der Schule – nicht von der Universität – verbannt werden.

Sarah, wie die betroffene Schülerin heißt, war mit einem langen schwarzen Rock in den Unterricht gekommen. Im Alltag trägt sie auch ein "islamisches" Kopftuch; dieses legt sie aber bei Betreten des Schulgeländes ab, wie es das Gesetz von 2004 verlangt. An ihrem Rock, der ihre ganze Beinpartie verdeckt, hielt sie aber fest. "Ein Rock ist ein ganz normales Kleidungsstück", meinte die Schülerin, die den schlichten Rock bei der französischen Ladenkette Kiabi für zwei Euro gekauft hatte.

Twitter-Kampagne

Im Internet erhielt sie sofort Unterstützung. Unter dem Hashtag #JePorteMaJupeCommeJeVeux (ich trage meinen Rock, wie ich will) twitterten zahlreiche Frauen Bilder, in denen sie lange Röcke trugen. Auch das Kollektiv gegen Islamophobie (CCIF) sah im Schulausschluss einen weiteren Beweis für die Diskriminierung von Muslimen. Im vergangenen Jahr registrierte es 130 Fälle von "missbräuchlicher" Anwendung des Laizitätsgesetzes durch französische Mittelschulen. Auch Laizitäts-Verteidiger wie Nicolas Cadène warnen vor der Einrichtung einer "Kleiderpolizei".

Die Direktion der Schule ließ verlauten, es gehe nicht so sehr um das Kleidungsstück, sondern dessen "Verwendung". Sarah habe Mitte April mit mehreren Kolleginnen versucht, die Schule mit dem Kopftuch zu betreten, doch seien sie abgewiesen worden. Eine Woche später seien sie ohne Kopftuch, aber mit langen schwarzen Röcken erschienen, die laut der Trägerinnen selbst "religiös motiviert" sein sollten. Es habe sich damit um eine "Provokation" gehandelt; Sarah habe trotz langer Gespräche zwischen den Eltern und der Schulleitung als einziges Mädchen an ihrem Rock festgehalten, weshalb sie von der Schule verwiesen worden sei.

Ministerin steht hinter Schule

Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem stellte sich hinter die Schule. "Keine Schülerin darf wegen der Länge oder Farbe ihres Rocks aus dem Unterricht ausgeschlossen werden", stellte die aus einer marokkanisch-muslimischen Familie stammende Ministerin klar. Angesichts des "Missionierungseifers" der Schülerin habe der Schuldirektor aber mit der gebührenden Umsicht gehandelt.

Zumindest aber ungeschickt: Er sprach zuerst nur von der Rocklänge, nicht aber vom Verhalten der Schülerin, das offenbar den eigentlichen Ausschlag für den Schulverweis gegeben hatte.

Die Debatte der Diskriminierung oder gar Islamophobie ist so alt wie das Kopftuch-Gesetz, nämlich mehr als zehn Jahre. Die konkrete Umsetzung des strikten französischen Laizismus sorgt immer wieder für Probleme, da die "ostentative" Zurschaustellung religiöser Zeichen naturgemäß subjektiv ist. Angesichts dessen sind die 130 jährlichen Fälle eigentlich sehr wenig – zählt doch Frankreich 12 Millionen Mittelschüler. Die überwältigende Mehrheit der Schulen finden durchwegs einen Weg zwischen der Religionsfreiheit und ihrem Neutralitätsgebot – ohne dass sie die Rocklänge in Zentimetern angeben müssen.

Auch Sarahs Mutter zeigte sich nun pragmatisch und erklärte, ihre Tochter werde nach den aktuellen Schulferien auch ohne das beanstandete Kleidungstück zur Schule kommen. Die Rockträgerin wollte sich dazu nicht äußern. (Stefan Brändle, derStandard.at, 1.5.2015)

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