Zuerst die gute Nachricht

2. Mai 2015, 08:00
6 Postings

Von der "Apokalypse 1945" über Michael Jeannée bis zur Apple Watch

Zuerst die gute Nachricht. Das freiheitliche Magazin "Zur Zeit" hat nun, nach allen anderen Medien, doch noch berichtet, dass H.-C. Strache sein Zehn-Jahr-Jubiläum als FPÖ-Obmann feiern durfte. Eher lustlos zwar, und auf einer Doppelseite irgendwo im Blattinneren, eine trockene Nacherzählung der wechselvollen Parteigeschichte seit 2005. Ruhmeskränze, wie Strache sie sich selber zu flechten beliebt, sehen anders aus. Man muss es aber verstehen, galt es diese Woche doch, schon auf der Titelseite mit einem stahlhelmbewehrten Totenkopf der Apokalypse 1945 zu gedenken. Natürlich ohne auf deren Urheberschaft näher einzugehen, dafür aber mit der Schwäche in deutscher Grammatik, für die unsere Teutonen bekannt sind. Marschall Schukow: 10 Jahre nach den (!) Krieg wollte er ein "Befreier" sein. War er auch.

Wer sich feiern lassen will, muss die Sache schon selber in die Hand nehmen, wie das nun Maria Vassilakou mit mehr Erfolg tat, als sie sich vermutlich hatte träumen lassen. Für ihre Selbstpersiflage an einer Wiener Hauswand, an deren Größe nur noch ihr von Michael Häupl aufmunitioniertes Ego herankommt, hat sie endlich den ungeteilten Beifall Michael Jeannées in der "Krone" errungen. Mehr kann sich eine Grüne im Wahlkampf nicht wünschen. Die Monumental-Vassilakou hat es in sich: fette Schlagzeilen in sämtlichen Journalen fantasierte er. Einfach köstlich, meine ich. Dabei bin ich wirklich kein Grüner, wie man weiß.

"Ich soll die Papp'n halten"

Ganz so arg war's zwar nicht, und immerhin gesellte sich zur Schlagzeile in "Heute" ein eher kritischer Bericht über grüne Machenschaften in der der Vizebürgermeisterin unterstellten Magistratsabteilung 19. Als die ÖVP die Fläche für ihren Wahlkampf nutzen wollte, hieß es dort, an dem in einer Schutzzone stehenden Haus sei nur künstlerische Werbung erlaubt, beim VP-Sujet stehe "klar eine Botschaft einer für sich werbenden Person im Vordergrund". Das ist bei einer Person offensichtlich nicht der Fall, die sich selber strenge Enthaltsamkeit auferlegt: "Ich soll die Pappn halten, wenn der Michi spricht." Könnte sein, dass so viel selbstauferlegte Beschränkung in der SPÖ als Zeitenwende begrüßt würde.

Seit Jahrtausenden sind es vor allem Frauen, die als mit der Gabe der Prophetie gesegnet, manchmal auch verflucht, gelten. Vorige Woche erschien die erste von Eva Weissenberger als Chefredakteurin voll durchgestaltete Ausgabe von "News" mit dem doppelt feinsinnigen Titel Zeitenwende. Auf das Magazin bezogen, darf man hoffen: Möge sie gelingen. Bei der Titelgeschichte wäre Skepsis angebracht. Die Apple Watch wird unser Leben verändern - ob wir wollen oder nicht. Das ist doch eine kühne Voraussage, selbst wenn man den freien Willen in Zeiten von Big Data nicht überschätzt. Sie wird in der Geschichte auch nicht wirklich belegt, die Meinungen sind geteilt, und es wird sogar eine Wiener IT-Beraterin zitiert, die zur Apple Watch nur feststellte: "Statt eines Hypes sehe ich maximal ein Hyperl."

Gewiss, man kann, ist das Gerät auf dem Markt, für 349 Euro aufwärts bis 18.000 Euro mit der Preisgabe von noch mehr persönlichen Daten die Geschäfte internationaler Konzerne beleben, was aber nichts grundsätzlich Neues ist.

Gut, man kann Menschen, denen man nahesteht, die aber nicht in der Nähe sind, berühren. Indem man die Uhr anstupst und die andere Person diese Berührung über die Uhr spürt. Aber solange man nicht auf diese Art mit dem NSA-Schurken seines persönlichen Vertrauens oder zumindest mit seinem lokalen Vertreter in Kontakt treten kann, bleibt es eine halbe Sache. Von Möglichkeiten, die sich damit Stalkern eröffnen, ganz abgesehen.

Ein Hyperl liegt in der Luft

Das Magazin "Format" etwa stellte fern von jeder Werbung mit einer Zeitenwende nüchtern fest: Dabei ist Apple weder der Erste am Markt für Smartwatches, noch kann man mit dem größten Funktionsumfang aufwarten.

Dass ein Hyperl dennoch in der Luft liegt, witterte wenig überraschend auch der Herausgeber von "Österreich" und reagierte auf seine Art. Die Apple Watch als Erster gewinnen. Bestellen Sie jetzt Ihr Testabo von "Österreich" und sichern Sie sich dadurch die Chance auf die brandneue Apple Watch. Das ist teuer erkauft. Stets bemüht, Sinnliches auf feingeistige Art unter die Leser zu bringen, geriet neben "News" der Krisenkolumnist des "Standard" ins Schwärmen über neue Möglichkeiten elektronischer Annäherung u. a. per Fernfingerln. Ist aber auch nur ein altes Wort für Digitalisieren. (Günter Traxler, 2.5.2015)

Share if you care.