Wort der Woche: Aruganz

2. Mai 2015, 09:00
91 Postings

Aruganz, Magneten, desinfiszieren und die "Erotika": Fremdwörter sind Glückssache

Sich über falsche Rechtschreibung und andere sprachliche Fehlleistungen lustig zu machen, ist seit langem ein - leicht dubioser - Zweig der Buchindustrie. Über den Sammlungen von Stilblüten und Orthografie-Hoppalas in Speisekarten schwebt oft ein Hauch von schlechter Lehrerhaftigkeit, Kleinlichkeit und Arroganz. Man könnte ja auch generös über die Fehlleistungen von Kleingewerbetreibenden, für die die Rechtschreibung keine Kernkompetenz ist, hinwegsehen.

Anders verhält es sich, wenn der Funktionär einer Partei, die mächtig auf die Beherrschung der deutschen Sprache pocht, auf Facebook mit Wörtern wie "quwereinsteiger" oder "arugant" herumwirft: Da ist eine öffentliche Rüge durchaus angebracht. Zum Glück musste "Carls Fe" von der burgenländischen FPÖ nicht auch noch "Rhythmus" oder "Katarrh" schreiben.

Bei Fremdwörtern heißt es überhaupt achtgeben, sonst ergeht es einem wie Frau Stöhr in Thomas Manns Zauberberg, jener Romanfigur, die mit gelahrt klingendem Vokabular imponieren möchte, aber mangels ausreichender sprachlicher Bildung andauernd falsche Pretiosen absondert: Sie spricht vom "desinfiszieren", nennt den "Magnaten" einen "Magneten" oder weiß, dass die dritte Symphonie Beethovens den Beinamen "die Erotika" trägt. Wer solche Fehler sofort als Fehler erkennt, darf sich mit dem Titel des Bildungsbürgers honoris causa schmücken. Für ein Amt als burgenländischer FPÖ-Funktionär kommt er aber nicht mehr in Betracht. (win, DER STANDARD, 2.5.2015)

  • Artikelbild
Share if you care.