"Blitz-Crash" am Anleihenmarkt: Historisches Minus

30. April 2015, 16:27
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Bund-Future fällt so stark wie nie zuvor - Euro erstmals seit Anfang März wieder über 1,12 Dollar

Frankfurt - Der Ausverkauf an den europäischen Anleihemärkten geht weiter. Dadurch büßte der wichtige Bund-Future, der auf der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe basiert, binnen zwei Tagen fast drei volle Punkte ein - so viel wie noch nie in seiner Geschichte.

Börsianer wollten dennoch keine Panik verbreiten: "Die Kursbewegung ist zwar stark, für das Platzen einer Blase ist der Knall aber zu leise", sagte ein Rentenanalyst in Frankfurt.

Strukturelle Schwäche

Am Donnerstag fiel der Terminkontrakt um bis zu 124 Ticks auf ein Zwei-Monats-Tief von 156,49 Punkten. Die Rendite der deutschen Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit stieg spiegelverkehrt auf von 0,28 auf 0,38 Prozent. "Der Blitz-Crash fördert die strukturelle Schwäche des Bondmarktes zutage", schrieb Commerzbank-Analyst Markus Koch in einem Kommentar. Die Käufe der Europäischen Zentralbank (EZB) im Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro trockneten den Markt aus, weil immer weniger Papiere verfügbar seien. Durch diese Verknappung sei der Markt anfällig für Kursausschläge.

Kochs Kollegen von der Royal Bank of Scotland (RBS) machten zusätzlich Gewinnmitnahmen, milliardenschwere Anleihe-Emissionen europäischer Staaten und die Hoffnung auf eine Einigung im griechischen Schuldenstreit für die Verkäufe verantwortlich. Eine mögliche Entspannung der Krise macht die als sicher geltenden, aber renditeschwachen deutschen Bundespapiere für viele Anleger unattraktiver.

Euro auf Zwei-Monats-Hoch

Der Euro kletterte um mehr als einen US-Cent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 1,1248 Dollar. Er profitierte Börsianern zufolge von Spekulationen auf eine Verschiebung der bisher für Sommer erwarteten US-Zinserhöhung. Dieses Szenario hatte ihm - ausgelöst durch das schwache Wirtschaftswachstum im ersten Quartal - am Vortag bereits zu einem Kursplus von rund eineinhalb US-Cent verholfen und den DAX im Gegenzug um mehr als drei Prozent abstürzen lassen. Auch die Aktienbörsen in Asien gingen auf Tauchstation. (APA, 30.4.2015)

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