Innsbrucker Kinderherzchirurgie droht Schließung

30. April 2015, 16:51
65 Postings

Operationen auch in Linz und Wien möglich – österreichweit nur drei Spezialisten

Die Innsbrucker Kinderherzchirurgie könnte demnächst geschlossen werden. Der Fachbereich ist in der Innsbrucker Universitätsklinik für Herzchirurgie angesiedelt und wurde schon bisher von nur einem Oberarzt betreut. Wie vonseiten der Medizinischen Universität bestätigt wurde, liegt seit heute, Donnerstag, dessen Kündigung vor. "Derzeit laufen die Diskussionen, ob wir die Kinderherzchirurgie nun gänzlich einstellen", sagt Johannes Schwamberger, Sprecher der Tiroler Landeskrankenanstalten Tilak.

Die Gründe dafür seien jedoch keine wirtschaftlichen, wegen der wenigen Operationen könne die Qualität nur schwer aufrechterhalten werden: "Ein Kinderherzchirurg sollte zumindest hundert Eingriffe im Jahr vornehmen, damit er in Übung bleibt. In Innsbruck werden jährlich zwischen 40 und 50 solcher Operationen durchgeführt, weil das Einzugsgebiet zu klein ist", sagt Schwamberger.

Selten Notfälle

Kinderherzchirurgische Eingriffe seien nur selten Notfälle, zumeist handle es sich um Operationen an Säuglingen, bei denen bereits im Rahmen einer Schwangerenuntersuchung ein Herzfehler festgestellt wurde. Neben dem derzeit noch aktiven Standort Innsbruck können solche medizinischen Eingriffe auch in Linz und in Wien durchgeführt werden. "In Linz liegt die Fallzahl bei rund 250 Eingriffen pro Jahr", sagt Schwamberger.

Die Kinderkardiologie bleibe Innsbruck jedenfalls erhalten und werde derzeit sogar ausgebaut, heißt es vonseiten der Tilak. Hier werden etwa Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt und Diagnosen gestellt, ob eine Operation nötig ist – vorgenommen werden solche Eingriffe dann aber eben von einem Kinderherzchirurgen.

Wenige Spezialisten

"Der Lehr- und Forschungsbetrieb würde durch eine Schließung jedenfalls nicht beeinträchtigt", sagt Helga Fritsch, Rektorin der Medizinischen Universität Innsbruck. Jungärzte könnten dennoch im selben Ausmaß ausgebildet werden, versichert sie. "Wir würden diese Eingriffe natürlich gerne weiterhin anbieten, aber auch wenn wir nun einen neuen Kinderherzchirurgen einstellen, bleiben die Probleme die gleichen", sagt Schwamberger. Den bisher in Innsbruck tätigen Arzt eingerechnet, gebe es in Österreich nur drei Mediziner, die kinderherzchirurgische Operationen durchführen können. (mika, derStandard.at, 30.4.2015)

Share if you care.