Niederösterreich und sein "weißer Fleck" Wien

2. Mai 2015, 13:10
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Speckgürtel braucht mehr Wohnraum - Jährlich fehlen laut Analyse bis zu 2.500 Wohnungen

Nicht nur die wachsende Großstadt Wien hat großen Bedarf an Wohnraum, sondern auch das umliegende Bundesland Niederösterreich. Wobei das eine untrennbar mit dem anderen zusammenhänge, darauf wies Wohnbauforscher Wolfgang Amann (Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen) am Mittwoch bei einer Tagung von Arbeiterkammer und ÖGB in St. Pölten mit Nachdruck hin. Bisher sei es nämlich durchaus so gewesen, dass bei der wohnbaupolitischen Betrachtung der niederösterreichischen Landkarte der "weiße Fleck namens Wien" schlichtweg ignoriert wurde. "Das geht aber nicht mehr", so Amann. Die stärksten Zuwanderungsbezirke Niederösterreichs gruppieren sich nämlich erwartungsgemäß rund um die Bundeshauptstadt, während in Abwanderungsbezirken wie Zwettl oder Waidhofen an der Thaya noch in den vergangenen 15 Jahren eher zu viele Wohnungen entstanden seien.

Bis zu 2500 Wohnungen fehlen jährlich

Grosso modo würden in Niederösterreich derzeit jedes Jahr um 2000 bis 2500 Wohnungen zu wenig gebaut, stellte Amann unter Bezugnahme auf seine im Auftrag der Arbeiterkammer Niederösterreich erstellte Wohnbedarfsanalyse fest. Gebaut werden jedes Jahr rund 9000 Wohneinheiten. Mittlerweile gebe es in fast jeder der 573 niederösterreichischen Gemeinden großvolumigen sozialen Mietwohnbau. Die Wohnbauförderung sollte nun aber neu ausgerichtet werden, empfahl Amann dem Land. Angesichts teilweise erheblicher lokaler Leerstände - die sich im ganzen Bundesland auf 1000 geförderte Wohnungen summieren - sollte "das Vorhaben, flächendeckend Sozialmietwohnungen anzubieten, als abgeschlossen aufgefasst werden", so der Wohnbauforscher wörtlich. Anstatt weiter Projekte in vielen einzelnen Gemeinden zu verfolgen, sollte verstärkt interkommunal zusammengearbeitet werden. Andererseits müsse man in Abwanderungsgegenden langsam auch Rückbau ins Auge fassen, so Amann.

Dass die geförderte Neubauleistung mit dem Bedarf in Niederösterreich nicht Schritt hält, stellte auch Gemeinnützigen-Obmann Karl Wurm fest. Immerhin seien hier aber auch in Wiener Umlandgemeinden die Bodenpreise für die Genossenschaften noch einigermaßen zu schaffen; doch auch hier werde sich "der Druck aus Wien verschärfen". (Martin Putschögl, DER STANDARD, 2.5.2015)

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