NSA-Aufdecker Appelbaum: "China wird dämonisiert"

30. April 2015, 14:51
18 Postings

Aktivist besuchte chinesischen Künstler Ai Weiwei und sagt: "China fühlt sich nicht wie Überwachungsstaat an"

Jacob Appelbaum gilt als einer der profiliertesten Internetaktivisten weltweit: Er arbeitet beim Anonymisierungsdienst Tor mit, unterstützt Wikileaks und publizierte in Kooperation mit dem Spiegel NSA-Dokumente aus dem Snowden-Archiv. Jetzt fiel Appelbaum allerdings mit einem merkwürdigen Zitat auf. "Die Vorstellungen von China decken sich nicht mit der Realität", so Appelbaum. Das Land "fühlt sich nicht wie ein unterdrückerischer Überwachungstaat an", erklärt der Aktivist, "China wird vom Westen dämonisiert".

Heftige Kritik

Die Aussagen hat Appelbaum gegenüber einer Reporterin von Fusion getätigt. Schnell soll er hinzugefügt haben, dass es in China natürlich auch "Todes-Vans" gebe, mit denen Organdiebstahl durchgeführt werde. Der Wikileaks-Mitarbeiter teilte den Artikel auch auf Twitter, fühlt sich also nicht ungerecht zitiert. Im Netz haben Appelbaums Aussagen bereits zu heftiger Kritik geführt. Denn gemeinhin gilt China als einer der überwachungsintensivsten Staaten der Welt, der tausende Zensoren beschäftigt.

Kunstwerk

Appelbaum befindet sich momentan in China, wo er mit dem Künstler Ai Weiwei an einem Projekt arbeitet. Snowden-Vertraute Laura Poitras dreht eine kurze Dokumentation über das Zusammentreffen. Initiiert wurde die Zusammenkunft von der Organisation Rhizome, die Menschen aus der IT-Szene mit Künstlern paart. Das Kunstwerk von Ai Weiwei und Appelbaum soll am 2. Mai enthüllt werden. Der chinesische Künstler darf sein Land nicht verlassen, er wird seit Jahren von den Behörden drangsaliert. (fsc, 30.4.2015)

  • Jacob Appelbaum - im Bild auf der re:publica 2014 - fiel mit merkwürdigen Aussagen zu China auf.
    foto: apa/epa/pedersen

    Jacob Appelbaum - im Bild auf der re:publica 2014 - fiel mit merkwürdigen Aussagen zu China auf.

Share if you care.