Anschlag vereitelt: Polizei sucht in Hessen nach weiteren Spuren

1. Mai 2015, 16:53
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Rohrbombe gefunden - Radrennen abgesagt - "Weitreichende Sicherungsmaßnahmen" ergriffen

Frankfurt/Wiesbaden - Nach der Festnahme zweier mutmaßlicher islamistischer Attentäter im deutschen Bundesland Hessen läuft die Fahndung nach möglichen Komplizen auf Hochtouren. Die Polizei sicherte am Freitag trotz der Absage des traditionellen Radrennens "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" den Streckenverlauf mit "weitreichenden" Maßnahmen.

"Wir können nicht ausschließen, dass die Verdächtigen Mittäter haben", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA). Das in der Nacht auf Donnerstag festgenommene Ehepaar schweige eisern. Auf der Suche nach Beweisen durchkämmten Beamte ein Waldstück bei Schmitten-Arnoldshain nordwestlich von Frankfurt. Die Polizei blieb weiter in Alarmbereitschaft.

Rohrbombe gefunden

Die Ermittler gehen davon aus, dass der 35 Jahre alte Deutsch-Türke und seine 34 Jahre alte türkische Frau einen Anschlag auf das Radrennen mit tausenden Besuchern geplant haben könnten. In der Wohnung der beiden in Oberursel stellten sie eine funktionierende Rohrbombe, wesentliche Teile eines Sturmgewehrs und hundert Schuss Munition sicher. Nachdem der Mann, der nach Polizeiangaben zur islamistisch-salafistischen Szene im Rhein-Main-Raum gehört, beim Ausspähen der Rennstrecke beobachtet worden sei, habe man sich zum Zugriff entschlossen. Aus Sicherheitsgründen wurde das Rennen abgesagt.

Nach dem Fund der Bombe wurde Haftbefehl wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gegen ein Ehepaar erlassen, wie das hessische LKA am Donnerstagabend in Wiesbaden erklärte. Am Freitag sagte ein LKA-Sprecher: "Wir müssen wissen, ob es Mittäter gibt, die noch agieren oder schon agiert haben." LKA-Präsidentin Sabine Thurau sagte, das sichergestellte Waffenmaterial sei geeignet, eine Vielzahl von Menschen zu töten oder zumindest schwer zu verletzen.

Die Zeitung "Die Welt" berichtete, der 35-Jährige solle Kontakte zum Islamisten-Netzwerk Al-Kaida im Maghreb haben. Demnach soll er auch in Verbindung zur 2007 aufgeflogenen sogenannten Sauerland-Terrorgruppe gestanden sein. Das Blatt berichtete weiter, spanischen Sicherheitsbehörden sei der Mann bei einem Treffen mit Anführern spanischer Islamisten aufgefallen.

Suche im Wald

Die am Freitagnachmittag andauernde Suche in dem Waldstück ergab zunächst keine Ergebnisse. Welcher Art die Beweisstücke sein könnten, nach denen gesucht wurde, sagte der LKA-Sprecher nicht. Der Forst liegt nicht an der Rennstrecke. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes erklärte, man sei mit Spezialisten vor Ort an den Ermittlungen beteiligt.

Den Verdächtigen kam die Polizei nach eigenen Angaben durch die Kassierin eines Baumarkts auf die Spur, wo der Mann eine große Menge Wasserstoffperoxid kaufte. Da mit dem Stoff Sprengstoff hergestellt werden kann, verständigte sie die Polizei. Obwohl der Verdächtige einen falschen Namen angegeben habe, gelang nach dem "Welt"-Bericht seine Identifizierung mithilfe von Überwachungskameras. Auch die Sauerland-Gruppe hatte den Stoff gelagert. Die Islamisten wollten damit Bombenanschläge verüben und wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Mit ausschlaggebend für den Abbruch der Observierung und die Festnahme durch ein Sondereinsatzkommando waren Parallelen zum Bombenanschlag beim Bostoner Marathon 2013 in den USA. Noch am Donnerstag suchten zwei Hundertschaften der Polizei Abschnitte des Streckenverlaufs in Frankfurt nach Sprengkörpern ab, fanden aber nichts Verdächtiges.

Der Verdächtige ist polizeibekannt. Er sei 15-mal auffällig geworden, sagte Polizeipräsident Stefan Müller. Zu den ihm vorgeworfenen Delikten zählten Körperverletzung, Verstoß gegen das Waffengesetz und Bedrohung. Oberstaatsanwalt Albrecht Schreiber wirft den beiden die Vorbereitung "einer schweren staatsgefährdenden Straftat" vor. Ein Amtsrichter erließ Haftbefehle. In der Wohnung waren auch zwei Kleinkinder, die dem Jugendamt übergeben wurden. (APA, 1.5.2015)

  • Spezialisten durchsuchten die Wohnung des Paares.
    foto: apa/dpa/roessler

    Spezialisten durchsuchten die Wohnung des Paares.

  • Am Freitag durchforstet die Polizei ein Waldstück.
    foto: epa/boris roessler

    Am Freitag durchforstet die Polizei ein Waldstück.

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