Mehr als 150 weitere Geiseln aus Gewalt von Boko Haram befreit

30. April 2015, 14:48
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Befreiungsaktion im Sambisa-Wald im Nordosten Nigerias

Abuja - Die nigerianische Armee hat nach eigenen Angaben etwa 160 weitere Geiseln aus der Gewalt der Islamistengruppe Boko Haram befreit. Etwa 60 Frauen und hundert Kinder hätten aus dem Sambisa-Wald im Nordosten Nigerias gerettet werden können, sagte ein Militärsprecher am Donnerstag. Insgesamt wurden damit seit Wochenbeginn bereits etwa 500 durch Boko-Haram-Kämpfer Verschleppte befreit.

Bei Gefechten zur Befreiung der Geiseln wurden den Angaben zufolge eine Frau und ein Soldat getötet sowie acht Geiseln und vier Soldaten verletzt. Erst am Dienstag hatte die nigerianische Armee die Befreiung von 200 Mädchen und 93 Frauen aus Boko-Haram-Lagern im Sambisa-Wald bekanntgegeben und angekündigt, die Bemühungen in der Region fortzusetzen.

Mindestens 2000 Frauen seit 2014 entführt

Das Gebiet im nordöstlichen Bundesstaat Borno ist eine Hochburg der Extremisten. Sie haben dort zahlreiche Lager, von denen bis zum Donnerstag aber nur einige von nigerianischen Soldaten aufgelöst werden konnten. Frühere Geiseln berichteten von Zwangsverheiratungen, sexuellem Missbrauch und erzwungenen Kampfeinsätzen für die Islamisten.

Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International entführte Boko Haram seit Anfang 2014 im Norden Nigerias mindestens 2000 Frauen und Mädchen, um sie mit Kämpfern zu verheiraten. Für weltweite Bestürzung sorgte die Verschleppung von 276 Schülerinnen aus der Stadt Chibok vor einem Jahr. Von ihnen befanden sich zuletzt noch 219 in der Gewalt der Islamisten.

Amnesty bezeichnete die Befreiung der etwa 500 Geiseln seit Wochenbeginn am Donnerstag als "Grund zum Feiern". Zugleich warnte die Organisation jedoch, dass "nur die Spitze des Eisbergs" sichtbar geworden sei. "Es gibt tausende weitere Frauen und Mädchen, zudem auch Buben und Männer, die von Boko Haram verschleppt wurden."

Als menschliche Schutzschilde missbraucht

Der Militärsprecher sagte, bei dem jüngsten Einsätzen im Sambisa-Wald seien mehrere "Trainigscamps der Terroristen" geräumt worden. Ausrüstung und Fahrzeuge seien beschlagnahmt worden. Aus Militärkreisen hieß es, die befreiten Frauen hätten angegeben, unter anderem als menschliche Schutzschilde bei Kampfhandlungen missbraucht worden zu sein.

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 15.000 Menschen. Das nigerianische Militär wird im Kampf gegen Boko Haram von Truppen aus den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad unterstützt. (APA, 30.4.2015)

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