Österreichs Wirtschaft kommt nicht vom Fleck

30. April 2015, 10:44
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Wifo-Schnellschätzung: Schwächephase setzte sich zu Jahresbeginn fort

Wien - Österreichs Wirtschaft kommt weiter nicht vom Fleck. Im 1. Quartal legte das BIP heuer gegenüber dem letzten Quartal 2014 real um magere 0,1 Prozent zu. Davor gab es zwei Vierteljahre in Folge eine Stagnation, nach den volatileren saison- und arbeitstagsbereinigten Daten für Eurostat sogar vier Quartale lang. Vorerst kommt die Wirtschaft noch nicht richtig in Schwung, so das Wifo am Donnerstag.

Damit habe sich Anfang 2015 die Schwächephase des Vorjahres fortgesetzt, erklärte das Wirtschaftsinstitut zu seiner BIP-Schnellschätzung. Ein zarter Aufwind bzw. leichter Konjunktur-Frühling, wie ihn Mitte April die Ökonomen der Bank Austria geortet haben - sie prognostizierten auch 0,2 Prozent BIP-Plus fürs 1. Quartal -, steht laut Wifo-Expertin Sandra Bilek-Steindl noch aus: Gemäß den Vorlaufindikatoren kommt die Wirtschaft "noch nicht so richtig in Schwung", sagte sie zur APA: "Es dauert noch, bis das in Gang kommt." Die positiven Effekte des billigeren Öls und der für die Exportwirtschaft günstigen Euro-Abwertung gegenüber dem Dollar würden sich, wie erwartet, wohl erst im 2. Halbjahr zeigen.

Besser als zuletzt seien aber die Exporte gewesen, so Bilek-Steindl. Diese legten von Jänner bis März gegenüber dem Vorquartal um 0,7 Prozent zu, nach 0,6 Prozent von Oktober bis Dezember, nimmt das Wifo an. Die Importe belebten sich sogar auf ein Plus von 0,8 Prozent, nach einem Rückgang von 0,1 Prozent Ende 2014.

Wenig Nachfrage

Die geringe Expansion im 1. Quartal wurde laut Wifo vor allem von der - freilich verhaltenen - Konsumnachfrage getragen. Keinen positiven Wachstumsbeitrag lieferten erneut die Investitionen. Und die Industriekonjunktur verläuft "anhaltend schwach".

Die Konsumnachfrage wuchs zu Jahresbeginn "weiterhin träge", so das Institut. Bei den privaten Haushalten stand ein Plus von 0,1 Prozent gegenüber der Vorperiode, bei den öffentlichen Haushalten betrug der Anstieg 0,3 Prozent. Auch die Zurückhaltung bei den Investitionen der heimischen Unternehmen hielt demzufolge an: Die Bruttoanlageinvestitionen (Ausrüstungs- und Bauinvestitionen) wurden um 0,6 Prozent eingeschränkt, allerdings hatte das Minus im 4. Quartal noch 1,2 Prozent betragen.

Die Schwäche der Nachfrage nach Waren dämpfte im Zeitraum Jänner bis März die Industriekonjunktur. Im produzierenden Bereich sank die Wertschöpfung um 0,6 Prozent, in der enger abgegrenzten Sachgütererzeugung um 0,4 Prozent. Auch in der Bauwirtschaft war die Wertschöpfung erneut rückläufig (-0,3 Prozent).

Positive Beiträge zum BIP-Plus lieferte im 1. Quartal dagegen der Dienstleistungssektor. Im Bereich "Handel und Kfz, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie" sei die Wertschöpfung um 0,2 Prozent gestiegen, im Sektor Information und Kommunikation wurde sie um 0,9 Prozent ausgeweitet, im Kredit- und Versicherungswesen und den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen jeweils um 0,3 Prozent.

Im Jahresabstand lag das BIP im 1. Quartal real 0,4 Prozent höher, nach 0,1 Prozent Rückgang Ende 2014. In den drei Vierteljahren davor, vom 3. bis zum 1. Quartal 2014, war die Wirtschaft binnen Jahresfrist noch um 0,3, 0,6 und 0,5 Prozent gewachsen.

Stagnation

Während nach der schwankungsanfälligeren Rechnung für Eurostat Österreich voriges Jahr vier Quartale hintereinander stagnierte, war dies nach der traditionellen heimischen Betrachtung des Wifo nur im 4. und im 3. Quartal der Fall, während es im ersten Halbjahr jeweils ein kleines Quartals-Plus von 0,1 Prozent gab. Diese Daten der herkömmlichen Trend-Konjunktur-Komponente wurden vom Wifo auch nicht angepasst. Bei den saison- und arbeitstagsbereinigten Zahlen für das Eurostat, die volatiler sind und auf die sich das Wifo selbst deshalb weniger gern stützt, wurde das 4. Quartal von -0,2 auf Null nach oben revidiert und das 1. von -0,1 auf Null.

Das Update der Q1-Zahlen hat das Wifo für den 29. Mai geplant. Die nächste Konjunkturprognose von Wifo und IHS steht für 18. Juni an. Zuletzt hatten die Institute im März für heuer ein reales Wachstum von 0,5 bzw. 0,8 Prozent vorhergesagt. Der IWF und die Bank Austria waren zuletzt mit jeweils 0,9 Prozent BIP-Plus für 2015 etwas optimistischer, allerdings soll die Eurozone heuer laut IWF um 1,5 Prozent expandieren.(APA, 30.4.2015)

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