Ein Budget zum Bleiben

29. April 2015, 19:22
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Wissenschaftsminister Mitterlehner will IMBA-Chef Josef Penninger halten - manche Wissenschafter reagieren auf mögliche Zugeständnisse verstimmt

Wien - "Soll er doch gehen!" Derartige Sprüche hört man seit Wochen aus der Community der österreichischen Wissenschafter, als erstmals bekannt wurde, dass dem österreichischen Genetiker Josef Penninger, derzeit Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien, ein lukratives Angebot aus Berlin vorliegt. Das zur Helmholtz-Gemeinschaft gehörende Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin will den nicht unumstrittenen Penninger als Chef gewinnen.

Heute wird zumindest von der Politik versucht, ihn in Österreich zu halten. Die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) führt als Dachorganisation des IMBA mit Penninger Verhandlungen und erhält dabei Rückendeckung von höchster Ebene. Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) verkündete in den Oberösterreichischen Nachrichten, mit einer entsprechenden Dotierung und Unterstützung der Stadt Wien den Abgang des Wissenschafters verhindern zu wollen.

Die Rede ist von maximal 22,5 Millionen Euro, allerdings sollen die über mehrere Jahre verteilt zusätzlich ins IMBA fließen. Die Zusage sei keinesfalls als Blankoscheck zu verstehen, betonte Mitterlehner. Man müsse Konditionen vereinbaren. Zusätzlich bedeutet: Das Budget, das Akademie-Präsident Anton Zeilinger nun mit Penninger ausverhandelt, wird von der Politik um diese Mittel aufgebessert.

Das Max-Delbrück-Centrum hat derzeit ein Jahresbudget von 90 Millionen Euro, das IMBA erhält derzeit über die Akademie der Wissenschaften 15 Millionen Euro. Etwa noch einmal so viel Geld wird von den Wissenschaftern um Penninger über Grants, zum Beispiel vom European Research Council (ERC), eingeworben.

Geld allein dürfte Penninger nicht zufrieden stellen: Der Wissenschafter will auch mehr Unabhängigkeit für sein Institut von der ÖAW - nach dem Modell der Max-Planck-Gesellschaft, wo die einzelnen Institute relativ eigenständig handeln können. Ganz in die Unabhängigkeit wolle man Penninger aber nicht entlassen, heißt es. Wissenschafter reagierten genauso verstimmt wie die Grüne Wissenschaftssprecherin Sigi Maurer. Sie sagte: "Während der Wissenschaftsfonds FWF und Unis aus dem letzten Loch pfeifen, verteilt Mitterlehner Geld an seine Günstlinge." (pi, DER STANDARD, 30.4.2015)

  • Josef Penninger liegt ein lukratives Angebot aus Berlin vor,
    foto: apa/georg hochmuth

    Josef Penninger liegt ein lukratives Angebot aus Berlin vor,

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