Chinesische Forscher entdeckten Dinosaurier mit federloser Flughaut

29. April 2015, 19:06
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Knochen- und Knorpelstrukturen an den vorderen Gliedmaßen von Yi qi erinnern an die Flügel heutiger Fledertiere

Peking/Wien - Erst Mitte der 1990er-Jahre konnte durch Fossilienfunde in China nachgewiesen werden, was schon längst vermutet worden war: dass bereits Dinosaurier Federn trugen. Damit wurden die Lücken im Fossilbefund der Entwicklungslinie von flugunfähigen theropoden Dinosauriern hin zu den heutigen Vögeln erheblich kleiner.

Seither häuften sich die Funde gefiederter Theropoda und brachten nicht nur neue Einblicke in die komplexe Evolution des Fliegens, sondern veränderten auch die zeitgenössische Darstellung von Dinosauriern nachhaltig: Die einst glatthäutig bis schuppig abgebildeten Urzeitechsen werden zunehmend in bunten Federkleidern gezeigt. Freilich dürften die Federn lange Zeit nichts mit dem Fliegen zu tun gehabt haben, sondern vielmehr Wärmeregulatoren und Balzschmuck gewesen sein.

"Merkwürdiger Flügel"

Nun entdeckten Forscher - abermals in China - einen etwa 160 Millionen Jahre alten Mini-Theropoden, der Federn trug, die ihm ebenfalls nicht zum Fliegen verhalfen. Das allein wäre wenig sensationell, wären da nicht deutliche Hinweise auf einen anderen Flug- oder zumindest Gleitmechanismus: eine an den vorderen Gliedmaßen aufgespannte Flughaut.

Die bisher unbekannte Spezies aus der Familie der Scansoriopterygidae erhielt konsequenterweise den Namen Yi qi, was auf Mandarin so viel wie "merkwürdiger Flügel" bedeutet (und übrigens die kürzeste je vergebene Dinosaurierbezeichnung darstellt).

Wie Xu Xing und Kollegen nun im Fachblatt "Nature" berichten, weist Yi qi eine stangenartige, leicht gebogene und spitz zulaufende Struktur auf, die von beiden Handgelenken ausgeht. Diese sei länger als die Elle und bestehe aus Knochen und Knorpeln, zwischen den Fingern seien zudem Überreste einer Membran erhalten.

Ähnlichkeit zu Fledertieren

Vergleichbare Strukturen seien weder von anderen Dinosaurierspezies noch von Vögeln bekannt - wohl aber von Flugsauriern oder heutigen Flughunden und Fledermäusen. "Wir wissen nicht, ob Yi qi damit flatterte oder durch die Lüfte glitt oder beides, aber er entwickelte definitiv Flügel, die im Kontext des Übergangs von Dinosauriern zu Vögeln einzigartig sind", kommentierte Xu die Entdeckung.

Der US-Paläontologe Kevin Padian meldet indes ebenfalls in "Nature" vorsichtige Zweifel an, ob es der schätzungsweise 380 Gramm leichte Dinosaurier tatsächlich in die Lüfte schaffte. Und doch gebe es keine andere plausible Erklärung für die Funktion dieser auffälligen Struktur, so der Forscher. (David Rennert, DER STANDARD, 30.4.2015)

  • Federlose Flughaut: So könnte Yi qi, auf Deutsch "merkwürdiger Flügel", durch die Lüfte geglitten sein.
    foto: dinostar co. ltd

    Federlose Flughaut: So könnte Yi qi, auf Deutsch "merkwürdiger Flügel", durch die Lüfte geglitten sein.

  • nature video

    Nature Video: "A new dinosaur: Flying without feathers"

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