Prostatakrebs: Was die körpereigene Abwehr hindert

29. April 2015, 19:15
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Chemotherapie triggert die Immunabwehr - Patienten mit fortgeschrittenem, hormonrefraktären Prostatakrebs profitieren

Die sogenannte Mikro-Umgebung von Tumoren dämpft die Abwehrreaktion gegen die Krebszellen. Laut Wiener und US-Wissenschaftern sind dafür beim Prostatakarzinom bestimmte Immunzellen, die B-Zellen, verantwortlich. Eine Studie dazu wurde jetzt in Nature publiziert.

Das fortgeschrittene und gegen eine antihormonelle Therapie resistente Prostatakarzinom, jährlich werden in Österreich rund 4.700 Neudiagnosen gestellt, ist bisher nur schlecht mit Chemotherapeutika zu behandeln. Ein Mittel dafür ist der Wirkstoff Oxaliplatin, weil er neben der direkten Schädigung der Krebszellen auch zu einer Immunreaktion führt. Doch bei größeren Tumoren ist diese Wirkung gering.

Eine internationale Forschergruppe mit Beteiligung der University of California (San Diego), der Charité in Berlin und der Med-Uni Wien stellt jetzt in der aktuellen Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift Nature die offenbare Ursache für diese Therapieresistenz und mögliche Gegenstrategien dar.

Gelähmte Abwehr

"Es zeigt sich, dass in größere Prostatakarzinome vermehrt bestimmte Immunzellen, B-Lymphozyten, einwandern. Sie produzieren Immunbotenstoffe, welche jene Abwehrzellen behindern, die Tumorzellen angreifen sollen", sagte Lukas Kenner vom Institut für Klinische Pathologie der Med-Uni Wien .

Das hindert die sogenannten zytotoxischen T-Lymphozyten, vor allem vom Typ der Natural Killer Cells, daran, die bösartigen Zellen anzugreifen. Die von den Plasmazellen produzierten hemmenden Botenstoffe sind zum Beispiel Immunglobulin A, Interleukin-10 und der sogenannte PD-Ligand 1 (PD-L1). Antikörper gegen PD-L1 zeigen bereits bei verschiedenen Krebserkrankungen eine Wirkung, indem sie die Abwehrreaktion gegen Tumoren wieder in Gang bringen.

An Mäusen in mehreren Prostatakarzinom-Modellen untersuchten die Wissenschafter, ob eine per genetischer Veränderung oder per pharmakologischem Eingriff erfolgende Hemmung bzw. Vernichtung der B-Lymphozyten die Wirkung der Oxaliplatin-Therapie wieder in Gang brachte. Dem war auch der Fall. Bei den meisten so behandelten Tieren gingen die Prostatakarzinome massiv zurück.

Schwache Chemotherapie hilft

"Diese Kombinationstherapie wirkt überraschend synergistisch, dass heißt, bereits bei sehr niedrig dosierter Chemotherapie beobachteten wir einen sehr guten Therapieerfolg", betonte Kenner. An Proben von mehr als hundert Patienten ließen sich die bei den Versuchstieren gewonnenen Erkenntnisse bestätigen.

An sich gibt es bereits seit etlichen Jahren medikamentöse Möglichkeiten, B-Zellen zu beseitigen. Diese Arzneimittel, zum Beispiel monoklonale Antikörper, werden zur Therapie von B-Zell-Lymphomen eingesetzt, bei denen durch eine genetische Veränderung die B-Zell-Population der Betroffenen in ein unkontrolliertes Wachstum übergehen. Das Konzept einer B-Zell-schädigenden Therapie in Kombination mit der Chemotherapie soll jetzt an Prostatakarzinompatienten erprobt werden.

Aus den Erkenntnissen könnten sich noch weiter reichende Konsequenzen ergeben: Das Einwandern von B-Zellen und ihre immunsupprimierende Wirkung auf die Mikro-Umgebung von Tumoren ist auch von anderen Karzinomerkrankungen bekannt. (APA, 29.4.2015)

  • Prostatakrebs hat viele Grade von Aggressivität, warum gewisse Tumore resistent gegen Chemotherapie sind, ist eine wichtige Forschungsfrage.
    foto: ap

    Prostatakrebs hat viele Grade von Aggressivität, warum gewisse Tumore resistent gegen Chemotherapie sind, ist eine wichtige Forschungsfrage.

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