Österreich, Land der Überstunden

30. April 2015, 20:00
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Vollzeitbeschäftigte Österreicher arbeiten in der EU am zweitlängsten. Auch bei der Teilzeitbeschäftigung liegt Österreich vorne

Die Arbeitszeitdaten der EU-Statistikbehörde Eurostat zeigen: 44.2 Stunden pro Woche arbeiten Vollzeiterwerbstätige in Griechenland in der Woche. Damit liegt der südeuropäische Staat an der Spitze. Österreich folgt auf dem zweiten Platz 43 Stunden werden pro Woche geleistet.

Werden die Teilzeiterwerbstätige in die Arbeitzeitstatistik inkludiert, rutscht Österreich auf Platz 25 ab. Bedingt wird das durch den hohen Anteil an Teilzeitangestellten: 27,5 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiten in Teilzeit. Eine höhere Teilzeitquote haben nur die Niederlande.

Teilzeitarbeit ist in Europa Frauensache. In allen EU-Ländern arbeiten Frauen häufiger Teilzeit als Männer. Die österreichische Teilzeitquote bei Frauen von 48 Prozent ist die zweithöchste in Europa. Bei Männern liegt Österreich mit 9,2 Prozent an 9. Stelle.

Die hohe Teilzeitquote bei Frauen ist dadurch bedingt, dass Frauen viel häufiger Kinderbetreuung und Pflegeaufgaben übernehmen erklärt Carina Altreiter vom Institut für Soziologie der Universität Wien. Die Arbeitssoziologin gibt zu bedenken, dass in den von Eurostat geführten Statistiken nur die bezahlte Arbeit berücksichtigt ist: "Inkludiert man die unbezahlte Arbeit, die Frauen leisten, arbeiten diese mehr Wochenstunden als Männer". Selbst wenn die Männer häufiger Überstunden leisten.

Dass auf der einen Seite zu viel gearbeitet wird, während andere keine existenzsichernde Arbeit haben, kritisiert Christoph Klein von der Abteilung Sozialpolitik der Arbeiterkammer Wien: "Ein Viertel der Überstunden in Österreich sind noch dazu unbezahlt". Die Arbeiterkammer fordert neben der korrekten Abgeltung von geleisteter Arbeit, statt Überstunden zu verlangen zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen oder Teilzeitverträge aufzustocken.

Viele Vollzeitangestellten wünschen sich, weniger zu arbeiten. Deutlich wird dies in Kollektivverträgen mit sogenannter Freizeitoption. Gerade Mitarbeiter zwischen 30 und 50 nehmen die Möglichkeit statt einer Gehaltserhöhung mehr Freizeit zu haben gerne an. Den dadurch reduzierten Arbeitsdruck sieht Klein positiv: gesünder und länger arbeiten zu können sei wichtig, gerade wenn über eine Anhebung des Pensionsalters gesprochen wird.

In Befragungen der Arbeiterkammer Wien aus dem Jahr 2010 gaben 35 Prozent der Überstundenleistenden an, gern weniger arbeiten zu wollen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer Oberösterreich: 35 Prozent der vollbeschäftigten Männer leisten Überstunden, jedoch nur 13 Prozent wünschen sich eine Arbeitszeit von über 40 Stunden. (Michael Bauer, DerStandard.at, 1.5.2015)

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