"Gehen am Strand": Bewegung gegen Schreibblockade

29. April 2015, 17:19
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Caspar Pfaundlers Spielfilm ist eine reduzierte, aber sehr präzise Studie des Stillstands

Es ist Sommer in Wien, und Anja (Elisabeth Umlauft) plant, endlich ihre Diplomarbeit fertig zu schreiben. Aber sobald sie vor dem Laptop sitzt, geht nichts weiter. Beziehungsweise könnte man jetzt noch schnell etwas Naheliegendes erledigen, Staubsaugen, Schuhe putzen, Gesichtspflege. Aber was – in zart komischem Tonfall gezeichnet – als einfache Prokrastination beginnt, entwickelt bald die dumpfe Schwere einer veritablen Schreibblockade.

Caspar Pfaundlers bereits 2013 entstandener Spielfilm Gehen am Strand ist eine reduzierte, aber sehr präzise Studie dieses unerklärlichen, lastenden Stillstands. Allein das Timing, mit dem er von Beginn an die (Selbst-) Wahrnehmung der Heldin erfasst, ist sehenswert. Mit derselben Genauigkeit, mit der er diese stille, sich immer mehr zurückziehende Protagonistin entwirft, blickt er auch auf deren Lebensraum in der Wiener Leopoldstadt: die abgewohnte Altbauwohnung unterm Dach mit dem roten Festnetztelefon, die Wege über den Donaukanal und zurück, die nächtlichen Streifzüge durch die engen Gassen. Ein Wien-Film mit französischem Gestus gewissermaßen. (irr, DER STANDARD, 30.4/1.5.2015)

  • Diplomandin in der Krise: Elisabeth Umlauft in Caspar Pfaundlers "Gehen am Strand".
    foto: nanookfilm

    Diplomandin in der Krise: Elisabeth Umlauft in Caspar Pfaundlers "Gehen am Strand".

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