Fossil eines Mini-Pottwals wirft evolutionäre Fragen auf

9. Mai 2015, 17:58
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Ein weiterer Zweig am Stammbaum der Pottwale: Nanokogia isthmia lebte vor sieben Millionen Jahren in der Karibik

Los Angeles - Der Pottwal (Physeter catodon) ist eine Ausnahmeerscheinung: Mit seinen 20 Metern Länge ist er der einzige Großwal, der Zähne hat. Und seine Familie umfasst nur zwei weitere Mitglieder, beide bedeutend kleiner als er: den nur zweieinhalb Meter langen Kleinen Pottwal (Kogia simus) und den etwas über drei Meter langen Zwergpottwal (Kogia breviceps).

Aus Fossilienfunden weiß man, dass die Pottwalfamilie auch einige ausgestorbene Arten umfasst - so lebte vor etwa 12 Millionen Jahren Livyatan melvillei, der fast so groß war wie der heutige Pottwal - und wesentlich beeindruckender bezahnt: Seine Zähne maßen bis zu 36 Zentimeter.

Neue Spezies

Nun melden Forscher um Jorge Velez-Juarbe vom Natural History Museum of Los Angeles County die Entdeckung einer weiteren Art, die bis dato unbekannt war. Nanokogia isthmia lebte vor etwa sieben Millionen Jahren in der Karibik und war ein Vorläufer des heutigen Zwergpottwals. Die Schädel zweiter Exemplare wurden nun in Panama gefunden.

Aus derselben Ära kennt man bereits die Fossilien anderer Zwergpottwalspezies, allerdings von der anderen Seite Südamerikas. Für Forscher ist dies besonders interessant, weil sich zu dieser Zeit die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika bereits geschlossen haben dürfte - mit Auswirkungen auf die Tierpopulationen an Land, wo es zu einem großen Austausch zwischen Norden und Süden kam. Aber auch im Meer, wo Populationen nun für immer getrennt waren und sich unterschiedlich weiterentwickelten.

Rätsel gibt den Forschern das Spermaceti-Organ des neuentdeckten Wals auf. Dieses Organ im Kopf, das den Walrat produziert und der Echoortung dient, war bei früheren Zwergpottwalen offenbar deutlich größer als bei heutigen. Der Fossilienbefund weist darauf hin, dass das Organ in der evolutionären Geschichte dieser Tiergruppe mindestens zweimal geschrumpft ist. Die Gründe dafür sind noch völlig unbekannt. (red, derStandard.at, 9. 5. 2015)

  • Der Schädel eines Exemplars von Nanokogia isthmia.
    foto: velez-juarbe et al.

    Der Schädel eines Exemplars von Nanokogia isthmia.

  • Der Stammbaum der Pottwale.
    grafik: natural history museum of los angeles county

    Der Stammbaum der Pottwale.

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