Museum des Roten Wien: Hammerbrot im Brausebad

1. Mai 2015, 08:00
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Der Waschsalon Karl-Marx-Hof zeigt seit fünf Jahren Ausstellungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung

Wien – Der Wiener Karl-Marx-Hof beherbergt nicht nur seine Mieter. Seit fünf Jahren befindet sich das Museum Waschsalon Karl-Marx-Hof ebenfalls in dem Gemeindebau. 1930 eröffnet, fanden in dem Gebäudekomplex neben den ursprünglich 1.382 Wohnungen auch zwei Zentralwäschereien Platz. Die 20 Wannen, 30 Brausen und 62 Waschstände dienten nicht nur dazu, die dreckige Wäsche wieder sauber zu bekommen, sondern auch zur Körperhygiene. Nachdem die einzelnen Wohnungen immer weiter saniert und mit Badezimmern ausgestattet wurden, gab es für das Brausebad ab den 1970er-Jahren keine Verwendung mehr. 2010 zog das Museum ein.

foto: robert newald
Die Plakette der sozialistischen Bäckerei Hammerbrot im Waschsalon Karl-Marx-Hof.

Über den Türen im ersten Stock des kleinen Gebäudes in einem der Höfe des Gemeindebaus steht in großen roten Lettern "Arbeiterheim". Daneben hängt ein Schild: "Badezeit 60 Minuten. Einschließlich an- und auskleiden" – eine der wenigen Reliquien, die noch an ein Brausebad erinnern. Aus dem Erdgeschoß hört man das Rattern von Trocknern und Waschmaschienen, denn die Räume unter dem Museum bleiben ihrer ursprünglichen Bestimmung treu: Die Waschküche steht den Mieterinnen und Mietern mindestens einmal im Monat zur Verfügung.

Arbeiterbewegung statt Habsburger

"Wir fanden es notwendig, nicht nur die Geschichte des Habsburger-Wien zu präsentieren, sondern auch die der Arbeiterbewegung", sagt Laurin Rosenberg, einer der Mitarbeiter des Museums. Objekte der Bewegung gab es genug. "Sie waren aber immer in ganz Wien verstreut", sagt Rosenberg. Somit sei es wichtig gewesen, einen Platz zu finden, wo alles gemeinsam hergezeigt und kontextualisiert werden konnte.

Fahnen der Arbeiterbewegung, Plaketten der sozialistischen Bäckerei Hammerbrot und Handpuppen des "roten Kasperltheaters" finden sich in der Sammlung. "Leider haben wir keinen Originalkasperl mehr gefunden", sagt Rosenberg, der selbst vor fünf Jahren in eine der Wohnungen im Karl-Marx-Hof gezogen ist. Eine kleine rote Mütze mit Glöckchen ist in dem Schaukasten aber zu sehen – sie ragt aus dem Maul der Krokodilpuppe. (Oona Kroisleitner, derStandard.at, 1.5.2015)

Veranstaltungsinfo

Tag der offenen Tür am 1. Mai ab 12 Uhr, Waschsalon, Karl-Marx-Hof, Halteraugasse 7, 1190 Wien.

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Waschsalon

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