Forscher gegen die Idee, die Arktis "weiß zu färben"

2. Mai 2015, 15:07
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Teppiche aus mikrometerkleinen Luftbläschen könnten im Arktischen Ozean für Kühlung sorgen - Modellrechnungen weisen aber auf Nebenwirkungen hin

Washington - Unter den verschiedenen Varianten von Geoengineering, die bereits angedacht wurden, um den Effekt der Erderwärmung zu kompensieren, ist es eine der originelleren Ideen: 2010 schlugen britische und US-amerikanische Forscher eine Methode vor, die überspitzt gesagt daraus besteht, den Ozean zum kühlen Schaumbad zu machen.

"Umgekehrte Wolken"

Und zwar ist es eine der Methoden, mit denen die Menge des von der Erde reflektierten Sonnenlichts erhöht werden soll, um für Kühlung zu sorgen. In diesem Fall soll dies damit gelingen, dass in arktischen Meeresregionen Teppiche von Luftbläschen im Mikrometerbereich erzeugt werden. Wie Badeschaum, der weiß erscheint, würden diese Mikrobläschen in Summe die Albedo der Erde erhöhen - der Effekt wurde bereits als "umgekehrte Wolken" bezeichnet.

Das könnte ein Ausgleich dafür sein, dass sich die Albedo aufgrund der schmelzenden Eismassen in den polaren Regionen verringert - und sogar dafür sorgen, dass durch die entstehende Kühlwirkung dem Schmelzen Einhalt geboten wird.

Einmal durchgerechnet

Ein Forscherteam von Caltech und der Carnegie Institution um Ivana Cvijanovic hält diese Methode jedoch nicht für zielführend. Wie sie im Journal "Environmental Research Letters" berichten, kamen sie in Modellrechnungen auf zu viele ungünstige Nebeneffekte - von den Kosten einer Durchführung der Methode einmal ganz abgesehen.

Auf der positiven Seite sei zu vermerken, dass das "Weißfärben" der Arktis tatsächlich dazu führen könnte, dass sich das Meereis erholt. Pro Quadratkilometer Schaumteppich könnte sich den Berechnungen zufolge bis zu einem Dreiviertel Quadratkilometer Meereis bilden.

Nebenwirkungen

Insgesamt sei der Abkühlungseffekt aber gering - und die Forscher konnten in ihren Modellen keine Auswirkung auf jene Regionen feststellen, die als besonders brisant gelten: Nämlich die arktischen Permafrostgebiete, in deren langsam auftauendem Boden enorme Mengen an Methan gespeichert sind, das bei einer Freisetzung den Treibhauseffekt stark beschleunigen würde.

Dafür zeigten sich andere, unerwünschte Nebenwirkungen: Nämlich veränderte Wetterbedingungen in mittleren Breiten, von Nordamerika über Europa bis Asien.

Darum halten die Forscher die Mikrobläschen-Methode für keinen geeigneten Weg, der Erderwärmung auf globaler Ebene entgegenzuwirken. Die Methode könnte theoretisch aber auf lokaler Ebene funktionieren - etwa in einzelnen Buchten oder Mündungsgebieten. (red, derStandard.at, 2. 5. 2015)

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