Nexus Player im Test: Schwacher Start für Android TV

3. Mai 2015, 17:04
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Googles Vorzeigegerät kombiniert Chromecast-Funktionalität mit klassischem Interface

Fast ein halbes Jahr nach der ersten Vorstellung hat es Googles Nexus Player nun auch nach Österreich geschafft. Als erstes Gerät mit Android TV kommt ihm eine besondere Rolle zu, soll es doch den Neubeginn für Googles TV-Ambitionen einläuten. Der WebStandard hat sich den Nexus Player bereits vor einigen Monaten aus den USA besorgt, angesichts des Marktstarts in Österreich sollen die dabei gesammelten Erfahrungen nun aber mit den Leserinnen und Lesern geteilt werden.

First Contact

Der erste Eindruck beim Auspacken: Das um 99 Euro verkaufte Gerät ist überraschend klein. Mit einem Durchmesser von 12 Zentimetern und einer Höhe von 2 Zentimetern, braucht der Nexus Player also erfreulich wenig Platz neben dem Fernseher. Das Gewicht liegt bei 235 Gramm, womit das Gerät nicht gerade zu den Schwergewichten zählt. Der Anschluss an den TV erfolgt per HDMI, ein entsprechendes Kabel wird nicht mitgeliefert - das ist freilich auch bei wesentlich teureren Geräten nur selten der Fall.

Einrichtung

Das Setup des Geräts ist einfach - wenn auch leider nicht ganz so simpel wie beim Chromecast, das in dieser Hinsicht vorbildlich agiert. Das bedeutet, dass beim Nexus Player zumindest einmal das WLAN-Passwort über die mitgelieferte Fernbedienung eingegeben werden muss. Später empfiehlt dann für komplexere Texteingaben die Android-TV-Fernbedienungs-App auf dem Smartphone oder Tablet zu installieren und mit dem Nexus Player zu verbinden.

foto: andreas proschofsky / derstandard.at
Der Nexus Player. Ein unscheinbares Stück Hardware

Apropos Fernbedienung: Das mitgelieferte Modell ist recht einfach gehalten, neben der Navigation gibt es lediglich vier weitere Knöpfe. Ein Zurück-Button, einer der immer zum Homescreen führt sowie ein Play/Pause-Knopf. Ganz oben befindet sich darüber hinaus ein Button, über den eine Spracheingabe initiiert werden kann.

Finger weg vom Gamepad

Das Lob über die einfache Gestaltung, kann leider nicht für die konkrete Umsetzung gelten: Die Fernbedienung wirkt nicht sonderlich solide, gerade die kreisförmig gestaltete Navigation fühlt sich ziemlich billig an. Als Extra bietet Google zudem um 49 Euro ein Gamepad an, über das ebenfalls die Steuerung erfolgen kann. Von diesem darf aber getrost abgeraten werden, die Qualität kann nicht ansatzweise mit vernünftigen Controllern anderer Hersteller mithalten. Die Verbindung mit dem Nexus Player wird bei beiden Geräten per Bluetooth hergestellt

foto: andreas proschofsky / derstandard.at
Die Fernbedienung ist simpel gehalten, aber nicht sonderlich gut verarbeitet.

Die Anbindung an das Internet ist primär über WLAN vorgesehen, wobei hier 802.11ac 2x2 (MIMO) für die nötige Geschwindigkeit sorgt. Was Google in den Spezifikationen nicht erwähnt: Der Nexus Player lässt sich sehr wohl auch per Ethernet ans Netz hängen. Allerdings braucht es dazu einen entsprechenden Umstecker, der an den MicroUSB-Port gehängt wird.

Software

Android TV wurde bereits an anderer Stelle ausführlich besprochen, insofern seien an dieser Stelle nur die wichtigsten Eckpunkte erwähnt: Hinter einem einfachen - und durchaus gelungenen - Interface führt Google Inhalte aus unterschiedlichsten Quellen zusammen. Der Schwerpunkt liegt dabei ganz klar auf Streaming-Angeboten. Zwar lassen sich per USB OTG auch externe Datenträger an den Nexus Player anschließen, dieser Weg der Nutzung ist aber mit einigen Basteleien verbunden - weil nicht von AndroidTV selbst unterstützt.

screenshot: andreas proschofsky / derstandard.at
Die Oberfläche von Android TV im von Google schon gewohnten Kartendesign. Die oberste Reihe nehmen Empfehlung aus allen installierten Quellen ein. Diese sind seit der ersten Version von Android TV mittlerweile deutlich besser geworden, zudem können jetzt auch einzelne Apps in den Einstellungen ausgenommen werden.

Neben Googles eigenen Angeboten für Film und Musik stechen vor allem Netflix und der Media-Center-Client Plex positiv hervor. Spiele gibt es ebenfalls einige, ganz allgemein ist das App-Angebot derzeit aber noch reichlich dünn - und daran hat sich auch in den letzten Monaten wenig geändert. Dies obwohl bestehende Android-Apps mit relativ wenig Aufwand für die Nutzung am TV angepasst werden können. Per Sideloading lassen sich zwar zahlreiche "normale" Android-Apps auf dem Gerät nutzen, dies ist aber für die breite Masse der Nutzer keine wirklich gangbare Lösung. Zudem sind diese Apps üblicherweise nicht für die TV-Nutzung optimiert.

Kommunikation

Bereits kurz erwähnt wurde die Spracheingabe, die nicht nur zur Suche in einzelnen Apps genutzt werden kann, sondern auch Zugriff auf den Wissens-Pool von Googles Knowledge Graph bietet. Damit kann dann nicht nur herausgefunden werden, in welchen Filmen eine bestimmte Schauspielerin mit dabei war, sondern auch wie viele Einwohner Nigeria hat. All dies funktioniert überraschend zuverlässig, insofern ist das fraglos eine der Stärken von Android TV / des Nexus Players.

Cast

Ein weiteres Plus: Der Nexus Player bietet noch eine zweite Betriebsart nämlich als eine Art besseres Chromecast. Es können also auch hier Inhalte von anderen Geräten wie Smartphone oder Laptop direkt an den Fernseher geschickt werden. Im Vergleich zum Chromecast profitiert der Nexus Player dabei vor allem vom 802.11ac / 5 GHz-WLAN-Support.

foto: andreas proschofsky / derstandard.at
Die Anschlüsse des Nexus Player: Strom, MicroUSB und HDMI.

Leider neigt der Nexus Player auch zu einer gewissen Instabilität. Das ist zwar mit den Updates auf Android 5.1.0 und 5.1.1 deutlich besser geworden, trotzdem passiert es immer wieder, dass das Gerät die WLAN-Anbindung verliert. Auch die Cast-Funktionalität erwies sich über die Monate als nicht ganz so zuverlässig wie beim Chromecast, oft fehlt der Nexus Player auf der Liste der angebotenen Geräte im lokalen Netzwerk. Dies lässt sich zwar meist schnell beheben, die Unmittelbarkeit, die diese Art der Steuerung auszeichnet, geht aber so verloren.

Speed

An der Performance des Nexus Players selbst, gibt es wenig auszusetzen. Alle Aufgaben laufen flüssig ab, dies gilt auch für die wenigen verfügbaren Spiele. Einzig die Startzeiten der einzelnen Apps könnten besser sein. Für die nötige Rechen-Power sorgt ein 1,8 GHz Quadcore Atom-Prozessor von Intel mit PowerVR 6 GPU. Diesem ist 1 GB RAM zur Seite gestellt.

screenshot: andreas proschofsky / derstandard.at
Der Nexus Player wird von Google selbst mit Updates versorgt. Aktuell läuft er bereits auf Android 5.1.1.

Fast schon ein Killer-Argument gegen den Nexus Player ist hingegen ein anderer Punkt: Mit 8 GB ist der lokale Speicherplatz arg begrenzt. vor allem wenn man bedenkt, dass das System alleine schon 3 GB belegt. Da bleibt für eigene Apps nicht mehr wirklich viel Platz. Klar: Die Inhalte werden meist gestreamt, aber auch deren Caching braucht bereits einiges. Von grafisch aufwändigen Spielen ganz zu schweigen.

Fazit

Geringer Speicherplatz, Stabilitätsprobleme, schlechte Verarbeitung: In Summe empfiehlt sich der Nexus Player eigentlich nur für jene, die - relativ - kostengünstig Android TV kennen lernen wollen. Die Idee ein System zu haben, das Chromecast-Funtionalität mit klassischer Steuerung per Fernbedienung verbindet, ist zwar gut, die Umsetzung hakt aber einfach an zu vielen Stellen. Und nicht zuletzt bietet unter anderem Amazon ähnliches mit dem Fire TV Stick billiger an.

Abwarten

Aber selbst wer unbedingt AndroidTV haben will, sollte sich vielleicht noch etwa gedulden. Kommt doch in Kürze die "Shield Android TV"-Konsole von Nvidia, die um 199 Euro eine deutlich bessere Hardwareausstattung bieten soll - unter anderem mit 4K-Support beim Video-Streaming und 7.1 Surround Sound.

Perspektive, unklar

Eine unbekannte Größe bleibt bei all dem, wie sich Android TV als Ganzes entwickeln wird. Dass sich hier in den letzten Monaten recht wenig getan hat, stimmt alles andere als zuversichtlich. Aber wer weiß - vielleicht bringt ja der angekündigte Schub an neuen Geräten - so werden kommende Sony-TVs mit dem Google-System ausgeliefert - den ersehnten Durchbruch. (Andreas Proschofsky, 3.5.2015)

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